Wie gelingt es uns, besser zu scheitern?

Was paradox anmutet, ist bei genauerem Betrachten logisch. Fehler ermöglichen es, Probleme neu zu denken. Wie Improvisation hilft, mit Routinen zu brechen und kreative Lösungen zu finden

AutorChristopher Schneider
Datum20.05.2019
Lesezeit5 Minuten

Scheitern gilt in einer auf Erfolg ausgerichteten Leistungsgesellschaft als verpönt. Niemand gesteht sich gerne ein, einen Fehler gemacht zu haben. Doch nicht selten führen Fehler zu Innovationen. Langsam setzt sich in einigen Unternehmen die Ansicht durch, dass zum Erfolg auch der Nicht-Erfolg gehört.

Agile Ansätze, wie z.B. die Methode Design Thinking, provozieren Fehler geradezu, um durch ihr Aufdecken verheissungsvolle Ansätze in der Produktentwicklung überhaupt erst ans Licht zu bringen und diese dann besser zu fokussieren.

Planung vs. Kreativität

Planungsorientierte Unternehmen betrachten die Organisation als Maschine. Durch detailreiche Pläne versuchen sie Überraschungen zu vermeiden und pflegen eine Haltung des Misstrauens sowie der Kontrolle.

Dies ist ein rationaler Ansatz, welcher Intuition und Zufall eher ausblendet. Mit diesem Mindset sind Fehler ein Zeichen mangelnder Qualität und müssen um jeden Preis vermieden werden. Die Wahrnehmung ist tendenziell fokussiert auf Planung und das gemäss dieser Planung angestrebte Ergebnis. Dadurch reduziert sich das Beobachtungsspektrum auf die planabhängigen Details, und es werden ausschliesslich die «richtigen» Lösungen gesucht.

«Um einen Betrag an das grosse Ganze zu liefern, ist Scheitern im Kleinen ausdrücklich erwünscht.»

Hingegen sind Unternehmen, welche Zufall und Improvisation anerkennen und als mögliche Kreativelemente in ihrem Repertoire haben, eher flexibel und sehen die Organisation als Organismus. Sie haben verstanden, dass es zu Überraschungen kommen kann, da Ungeplantes nicht durch einen guten Plan vermieden wird.

Mitglieder solcher Unternehmenskulturen sehen in Überraschungen vor allem Potenzial für gute Lösungsideen, weil sie sich eher vertrauen, damit umzugehen und gleichzeitig zulassen, dass sich unplanbare Ereignisse hervorragend für kreative Lösungen eignen. Das Scheitern erhält eine besondere Bedeutung: weil dieser Arbeitsstil einer Philosophie der kleinen Schritte entspricht, in denen schnelle Erfolge gesucht werden, um einen Betrag an das grosse Ganze zu liefern, ist Scheitern im Kleinen ausdrücklich erwünscht.

Nur so werden Schwächen des Lösungsversuchs direkt sichtbar und können frühzeitig angegangen werden. Entscheidungen passieren eher intuitiv denn rational, und durch die Betrachtung von Fehlern als Lern- und Innovations-Chancen werden Lösungen häufig besser und schneller gefunden.

Fehlschlag ermöglicht Neubeginn

Viele Unternehmenskulturen haben das Scheitern als Potenzial für das Finden von echten Innovationen oder Verbesserungen noch nicht verinnerlicht. Doch gerade in Zeiten, in denen durch Vernetzung und permanente Veränderungen (Arbeits-)Welten als immer komplexer und bedrohlicher wahrgenommen werden, muss das Fehlermachen Akzeptanz finden. Erst ein Fehlschlag ermöglicht einen Neubeginn, eine Chance zur Neu-Erfindung von Bestehendem, welches den Anforderungen der Gegenwart nicht mehr entspricht. Bislang bewährte Denkroutinen lassen sich als nicht mehr ausreichend entlarven und sodann angemessen erweitern. Auch eine demütigere Haltung gegenüber der Umwelt und sich selbst, lässt sich durch das Akzeptieren von Fehlern trainieren, so dass mehr Gelassenheit einzieht.

«Die Kunst der Improvisation ist ein Schlüssel, um mit dem Risiko des Fehlermachens besser umzugehen.»

Handeln und daraus entstehende Resultate gelten immer als dann gescheitert, wenn sie von Erwartungen oder einem Plan abweichen. Die Kunst der Improvisation ist ein Schlüssel, um mit dem Risiko des Fehlermachens besser umzugehen. Wer vorbereitet ist und je nach Entwicklung (re-)agieren kann, braucht keinen Plan und hat vermutlich auch weniger Angst vor Fehlern.

Mit Methoden und Übungen aus dem Bereich der Improvisation lassen sich ein konstruktiver Umgang mit der Angst vor dem Scheitern erlernen und die Kreativität aus dem Misslingen heraus fördern. Gekonnte Improvisation hilft damit nicht nur, dem Scheitern offener zu begegnen, sondern auch resistenter gegenüber der Angst vor Fehlern zu werden.

Seven tools to start with «AGILE»

Wie steht es um Ihren persönlichen agilen Methoden-Rucksack? Wir haben Ihnen gemeinsam mit IN.flow Facilitation GmbH und Visual Braindump GbR sieben konkrete Tools zusammengestellt, die Sie auf dem Weg zur agilen Organisation zu ersten kleinen Schritten befähigen. Probieren Sie es aus. Wir wünschen Ihnen viel Spass dabei!

 

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Über den Autor

Christopher Schneider

Christopher Schneider verfügt über grosse Erfahrung als Berater, Coach, Dozent und Trainer. Er arbeitet als Senior Berater und Coach im Bereich der Organisationsentwicklung in Bern, spielt seit Jahren Improvisationstheater und steht regelmässig auf öffentlichen Bühnen. Seit einiger Zeit setzt er in seiner Arbeit als Coach und Entwickler neben bewährten Tools und Techniken vermehrt auch auf Theater-Elemente, um unbewusste Potenziale in Teams spielerisch sichtbar zu machen.