Wie Sie Scrum, Lean Startup & Design Thinking richtig einsetzen

Messer oder Gabel? Scrum, Design Thinking oder Lean Start up? Das ist keine Entweder-oder-Frage, sondern eine Frage des richtigen Zusammenspiels. Denn jede Methode erfüllt für sich einen wichtigen Zweck.

AutorPeter Gfader
Datum02.12.2019
Lesezeit6 Minuten

Scrum, Lean Startup und Design Thinking – Wann kommt welches Werkzeug zum Einsatz?

Liebe Leserin, bevor wir der Frage nachgehen, wann welches Werkzeug am meisten Sinn macht, musst du dich kurz «aufschlauen», was denn die einzelnen Werkzeuge sind. Das wurde schon an vielen Orten gut erklärt und während du die 3 Seiten liest, warte ich hier 🙂

  1. Scrum
    Definition aus dem deutschen Scrum Guide:
    Ein Rahmenwerk, innerhalb dessen Menschen komplexe adaptive Aufgabenstellungen angehen können, und durch das sie in die Lage versetzt werden, produktiv und kreativ Produkte mit höchstmöglichem Wert auszuliefern.
  2. Lean Startup
    Der Begriff kommt aus gleichnamigen Buch von Eric Ries und ist auf Eric’s Blog gut erklärt.
  3. Design Thinking 
    Digicomp-Kollegen haben eine gute Einführung in Design Thinking geschrieben.

Das Interessante ist, dass alle drei Methoden das gleiche Mindset zu vermitteln versuchen. Es geht immer darum, möglichst nah am Kunden zu sein, seine Bedürfnisse zu verstehen und mit möglichst wenig Aufwand zu testen, ob man das auch tatsächlich erreicht hat.

Wie man Scrum Teams generell näher zum Kunden bringen kann, habe ich mit 6 Tipps in diesem Blogbeitrag beschrieben.

Wo hat welches Werkzeug seinen Fokus?

Schauen wir uns mal an, worauf  sich Scrum, Lean Start up und Design Thinking im Wesentlichen konzentrieren:

  • Scrum hat den Fokus auf dem Produkt. Das Produkt soll dem Kunden Wert liefern und mit Sprints und Sprint Reviews wird das Feedback des Marktes und deren Stakeholder geholt.
  • Lean Startup hat den Fokus auf der Validierung der Hypothesen. Es wird geschaut: Würde das jemand kaufen? Können wir das bauen? Wären Kunden bereit, Geld auf den Tisch zu legen? Was ist das Minimum Viable Product (MVP)?
  • Design Thinking hat den Fokus auf dem Menschen. Wie denken und fühlen die Menschen? Daraus werden potentielle Probleme von Kunden definiert, Betroffene und Beteiligte werden beobachtet, Ideen gesammelt und validiert und mit Prototypen gelernt, wie man die Probleme des Kunden lösen kann.

Kurzer Einschub

Was ist besser? Eine Gabel oder ein Messer?

Blöde Frage: Nutze beide 🙂

Wie verwenden wir dann die 3 Werkzeuge zusammen?

Ein Beispiel einer Organisation, die ich begleite:

Wir verwenden Scrum als Rahmenwerk, um in der Sprint Review die externen Stakeholder ausserhalb des Scrum Teams einzubinden.

Mit Lean Startup legen wir fest, dass alles eine Annahme ist und diese validiert werden muss. Was messen wir, damit wir wissen, ob die Hypothese verifiziert ist?

Mit Design Thinking wird in Workshops in die Rolle des Benutzers geschlüpft und versucht, seine Welt zu verstehen, seine Gefühle während der Nutzung zu beobachten (Shoulder Surfing).

Der Scrum Product Backlog besteht aus 5 Hypothesen, wie ich das mal oben illustriert habe.

Abhängig von der Frage und der Grösse des Problems, versuchen die cross-funktionalen Teams das in einem Sprint zu beantworten oder sie brechen das Problem in weitere Fragen  runter. Das heisst, in jedem Sprint wird ein beobachtetes Problem untersucht, eine Hypothese aufgestellt und validiert. In der Sprint Review wird aufgezeigt, was das Produkt oder das Feature für eine Wirkung gehabt hat.

Die Königsklasse der Organisationen liefert hier Daten aus dem Markt und der Produktion, die den positiven Impact des getesteten Produktes anhand von realen Messdaten untermauern.

In Scrum validiert man Hypothesen, indem man das Produkt während des Sprints released (vielleicht mit nur 1% der Nutzer oder mit gewissen Testkunden). Ja, das ist schwierig. Ich hab nicht gesagt, dass Scrum einfach ist 😉

 

Dabei wird versucht, in jedem Sprint die 6 Phasen des Design-Thinking-Prozesses zu durchlaufen und mit dem Lean-Startup-Ansatz versucht, eine schlanke Validierung der Hypothese zu erreichen.

Eine weitere Möglichkeit, Hypothesen zu validieren, ist der Einsatz von Prototypen. Ob man diese Prototypen dann auch bauen kann, ist dann die spannende nächste Frage 🙂

Bild: Ein sehr schlanker Bankomat. Welche Hypothese wird hier validiert?
Screenshot aus dem Video: Human ATM by CurlyKidlife

Ein Gedanke:

Was muss sich bei Ihrer Organisation ändern, damit eine Produktidee in nur einem Tag entdeckt, entworfen, entwickelt, deployed und mit 10% der Nutzer getestet werden kann?

Vielleicht kriegen Sie im folgenden Blog Post ein paar Ideen.

 


Über den Autor

Peter Gfader

Peter Gfader arbeitet als Berater und Trainer für Beyond Agility, wo er Organisationen hilft, wirkvolle Produkte zu entwickeln und zu liefern. Der Drang zur Verbesserung (und der Geruch von Kaffee) bringt ihn morgens aus dem Bett.Peter ist auf einer Reise, um Menschen glücklich zu machen. Wenn er nicht gerade Mountainbike fährt oder Trompete spielt, findet man ihn auf einem Netwerktreffen wo er sich mit anderen Nerds trifft!