Die 7 Merkmale einer guten Infografik

Was braucht es, damit eine Infografik beim Betrachter ankommt und verstanden wird? Zum Beispiel ein spannendes Thema, relevante Daten und wenig Text.

AutorMonika Gause
Datum26.11.2019
Lesezeit11 Minuten

Infografiken können Ihre Botschaft präzise «unter’s Volk bringen». Mit einer gelungenen Kombination aus Bild, Grafik und Text können Sie Inhalte anschaulich und schnell verständlich kommunizieren – und was hilfreich und gleichzeitig attraktiv ist, wird auch gerne weiterverbreitet und in sozialen Medien geteilt.

Wie erstellt man aber eine Infografik, die alle diese Zwecke erreicht? Idealtypisch erfüllt eine überzeugende Infografik sieben wesentliche Kriterien.

1. Sie brauchen ein interessantes Thema für Ihre Infografik

Die Menschen, die Ihre Firmenzeitschrift lesen oder Ihre Facebook-Seite abonniert haben, tun dies, weil sie sich für das Thema interessieren, für das Sie stehen. Ein Produkt, das Sie herstellen oder eine Sache, für die Sie eintreten. Gehen Sie mit der Zeit der Menschen verantwortungsvoll um und präsentieren Sie relevante Inhalte, die Ihr Anliegen unterstützen und Ihr Publikum interessieren.

Trotzdem sollten Sie natürlich vielfältige Inhalte zeigen. Wenn Sie z.B. Sonnencreme verkaufen, können Sie über die Inhaltsstoffe und die Herstellung genauso informieren, wie über die Anwendung, Lichtschutzfaktoren, gesundheitliche Aspekte von Nanopartikeln, den Aufbau und die Funktion der Haut, die Wirkung der Sonne oder wie man sich am Strand und bei der Arbeit im Freien schützt.

2. Wählen Sie den passenden Darstellungstyp für Ihre Daten

Der grafische Teil einer Infografik kann viele verschiedene Formen annehmen. Neben den klassischen Diagrammen kann es sich um Flowcharts oder Anleitungen handeln. Wählen Sie den Typ, der Ihre Inhalte oder Ihre Daten am besten und verständlichsten darstellt.

Dabei ist es nicht nur interessant, ob es sich um Tabellendaten oder Flowcharts handelt, sondern bei Ihren Tabellendaten kommt es darauf an, was Sie aussagen möchten. Geht es darum, Wachstum darzustellen oder die Aufteilung einer Menge?

Nach wie vor können Sie Ihre Diagramme mit den betagten Diagramm-Werkzeugen von Illustrator als Vektorgrafik erstellen. Die damit erstellten Diagramme sehenzwar  zunächst aus wie eine Rückkehr in die 1990er-Jahre, können jedoch an Ihre Bedürfnisse angepasst und mit eigenen Balken- und Punktedesigns versehen werden. Sie lassen sich auch in einfache Pfade und Texte umwandeln, indem Sie die Gruppierung aufheben und dann noch weitergehend bearbeiten.

Wenn Sie allerdings weitere Diagrammtypen benötigen, sind Sie auf alternative Software angewiesen. Einige Diagramme können Sie in Excel erstellen, dann als PDF speichern und in Illustrator öffnen und bearbeiten. Viele Onlinedienste wie draw.io oder infogram.com bieten die Erzeugung von Diagrammen als Vektorgrafik an, teilweise sogar kostenlos. Falls es für Sie nicht infrage kommt, Ihre Daten fremden Servern anzuvertrauen, dann können Sie auch das Framework 3d.js einsetzen. Hier ist jedoch umfangreiche Einarbeitung erforderlich. (Übrigens Adobe hat 2017 die Vorschau eines Tools vorgestellt, das jedoch derzeit noch nicht allgemein zur Verfügung steht: Project Lincoln.)

Tipp: Den passenden Diagrammtyp können Sie über infogram.com auswählen.

3. Stellen Sie Ihre Daten korrekt dar

In Diagrammen gibt es viele Möglichkeiten, durch Manipulation der Achsen Entwicklungen visuell zu verstärken oder durch falsche Skalierungen von Grafiken Mengen falsch darzustellen und so eine Dramatik in die Grafik hineinzulegen, die in den Daten nicht vorhanden ist. Diese Darstellung ist unlauter und fällt Ihnen früher oder später auf die Füsse. Gehen Sie ehrlich mit vorhandenen Daten um. Wenn Sie Entwicklungen deutlicher darstellen wollen und so die Manipulation unvermeidbar ist, dann sorgen Sie dafür, dass sie eindeutig erkennbar ist.

BU: Bei einer Skalierung um 200% wirkt das Objekt viermal so groß, weil wir die Fläche wahrnehmen.

 

BU: Die Änderung in dieser Grafik erkennt man kaum. Durch eine kleine Anpassung der Optionen wird diese Änderung jedoch betont, ohne dass ein unaufmerksamer Betrachter dies bemerkt. Besser ist es hier, die Manipulation deutlich zu machen.

Linktipp: Woran erkennt man Manipulationen in und mit Diagrammen?

4. Reduzieren Sie Details und Effekte

Wichtig für eine schnelle Erfassung der Grafik ist eine Reduktion auf die wesentlichen Elemente der Aussage. Nicht zuletzt deswegen werden Gebrauchsanleitungen illustriert statt fotografiert: man lässt alles weg, was vom Kern ablenkt. Dadurch wird die Grafik sehr klar, denn bei Infografiken kann es auch einmal um Sekunden gehen. Verzichten Sie, wenn möglich, auf Spezialeffekte oder setzen Sie diese nur ein, wenn sie die wesentliche Aussage herausheben.

Details lenken nicht nur ab, sie sind auch bei kleiner Darstellung gar nicht mehr zu erkennen. Beim Arbeiten an der Grafik in hoher Zoomstufe vergisst man schnell, dass das alles bei der Ausgabe verloren geht.

Tipp: Wenn Sie in Illustrator bereits beim Arbeiten an den Pfaden wissen wollen, wie es nach dem Export in Rasterformate aussehen wird, dann legen Sie Ihre Grafik in den endgültigen Pixeldimensionen an und gehen Sie mit Ansicht > Pixelvorschau in die Pixelansicht.

5. Nicht soviel Text!

Wenn Ihre Infografik mehrere Zeilen erklärenden Text braucht, dann ist entweder die Grafik noch nicht ganz durchdacht oder die Aussage lässt sich in Form einer Infografik generell nicht angemessen vermitteln. Der Vorteil von Bildern besteht darin, dass sie nicht mühsam dekodiert werden müssen, sondern sofort anschaulich sind. Deswegen haben Sie sich schliesslich entschieden, eine Infografik zu zeichnen.

BU: Viele der grossen Infografiken sind voller Text und dadurch schwierig zu entziffern.

Fassen Sie sich kurz. Fügen Sie nur dringend notwendige Texte hinzu, etwa genaue Zahlen und Bezeichnungen in Ihrem Diagramm, kurze Texte dann, wenn Text einen Inhalt schneller und besser erklären kann als eine weitere Zeichnung dies tun würde.

Achten Sie bei der Gestaltung der Texte auf Einheitlichkeit. Das bedeutet nicht notwendigerweise, dass alle Texte identisch aussehen müssen. Die Texte, die dieselbe Funktion ausüben, sollten jedoch gleich formatiert sein: z.B. alle Achsenbeschriftungen im Diagramm oder alle Handlungsanweisungen in einer Anleitung.

Alle Grafik- und Layoutprogramme besitzen mindestens rudimentäre Möglichkeiten, Textformatierungen als Stil oder Textformat zu speichern. Nutzen Sie diese Formate, sie sparen Ihnen Zeit und vereinfachen die Zusammenarbeit, denn Ihre Kolleg/innen müssen nicht nachfragen, wie etwas angelegt werden soll – sie können einfach das Format zuweisen.

BU: Die Textmenge hier ist schon sehr gross. Mit Textformaten lässt sich aber auch etwas mehr Text und umfangreichere Formatierungen handhaben – selbst in Illustrator, dessen Formatierungsfunktion gewöhnungsbedürftig ist.

6. Lenken Sie die Aufmerksamkeit bewusst

In westlichen Textsystemen lesen wir von links oben nach rechts unten. Die Gestalt- und Aufmerksamkeitsgesetze bewirken darüber hinaus, wie wir Dinge gliedern, die wir sehen und welchen Teilen wir unsere Aufmerksamkeit widmen. Indem Sie diese Gesetze bewusst einsetzen, lenken Sie den Blick der Betrachter/innen durch Ihre Infografik. Setzen Sie Formen, Grössen, Farben und Ausrichtung ein, um das Layout zur optimalen Wirkung zu bringen und die Hierachie der Informationen zu verdeutlichen

Runde Elemente und deutlich kontrastierende Farben fallen sofort ins Auge. Achten Sie auch darauf, diese Wirkungen nicht überzustrapazieren, denn wenn alles »wichtig« gemacht wird, ist am Ende nichts mehr wichtig.

BU: Durch Pfeile können Sie Abläufe deutlich machen oder Bewegungsichtungen anzeigen. Mit Illustrators Pfeilspitzen und dem Breitenwerkzeug lassen sich bereits interessante Pfeile gestalten. Hier wurde dem Pfeil noch ein Verlauf zugewiesen, um die Dynamik zu verstärken.

Linktipp: Die Aufmerksamkeitsgesetze

8. Achten Sie auf das gestalterische Umfeld

Falls Sie das Design für Ihre Infografiken komplett neu entwickeln, achten Sie darauf, dass es in die Kommunikationsstrategie Ihres Unternehmens passt. Natürlich soll man die Grafik am besten beim ersten Blick mit Ihnen verbinden, auch wenn das wahrscheinlich selten gelingen wird, dafür gibt es meist zu viele Unternehmen, die ähnlich auftreten. Das Design sollte natürlich auch dem Thema angemessen sein, besonders bei heiklen oder umstrittenen Themen kann die visuelle Gestaltung darüber entscheiden, ob sich Ihre Betrachter überhaupt auseinandersetzen möchten oder gleich «auf die Palme gehen».

Wenn Sie eine enger begrenzte Zielgruppe erreichen möchten, kann es sinnvoll sein, sich in gewisser Weise an ihre Sehgewohnheiten anzupassen – natürlich ohne sich dabei anzubiedern. Jugendliche merken sofort, ob Sie die jugendliche Ansprache wirklich können und vor allem, ob Sie es ehrlich meinen.

Wenn Sie bereits ein Corporate Design oder wenigstens ein Logo und eine oder mehrere «Hausfarben» bzw. «Hausschriften» haben, müssen Sie harmonierende Farben und Schriften finden.

Tipp: Beim Finden von Farben helfen viele kleine Tools. In Adobe-Software ist so etwas direkt eingebaut. Sie können darin auf Farbharmonien mit unterschiedlichen Wirkungen zugreifen und passend zu Ihrer Hausfarbe etwas finden. Wenn Sie z.B. eine anregende Wirkung mit einem sehr starken Kontrast erhalten wollen, verwenden Sie die Triade. Soll die Wirkung eher ruhig und zurückhaltend sein, verwenden Sie eher Monochromatisch. Im Fall von Schriften gilt: entweder eine perfekte Übereinstimmung mit einer vorhandenen Schrift, d.h. eine Schrift aus derselben Familie oder eine starke Unterscheidung, d.h. eine Schrift, die ganz anders aussieht.

Linktipp: Schriftgestaltung – Mischen von Schriften

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Über den Autor

Monika Gause

Monika Gause ist Kommunikationsdesignerin mit Erfahrung in Print, Web und Multimedia, Lehrbeauftragte für Layout/Typografie an der Universität Lüneburg, Illustrator-Trainerin für verschiedene Anbieter und Autorin von zahlreichen umfassenden Handbüchern zu Illustrator von der Version CS2 bis hin zur Version CC. Ausserdem ist sie eine der Autorinnen von «Creative Aktuell» aus dem Verlag Mensch und Medien.