Erfolgreiche Führung altersgemischter Teams

Durch den demografischen Wandel müssen Organisationen personelle Ressourcen besser einsetzen.Eine Möglichkeit ist der Einsatz von altersgemischten Teams.

AutorChristopher Schneider
Datum19.11.2018
Lesezeit6 Minuten

Durch den demografischen Wandel stehen Organisationen vor der Herausforderung, knapper werdende personelle Ressourcen besser einsetzen zu müssen. Einerseits altert die Gesellschaft (höhere Lebenserwartung) und steigt das Pensionsalter, gleichzeitig sinken aber die Geburtenraten, was mittelfristig fehlende Fachkräfte impliziert. Dies ist bereits heute in vielen Branchen spürbar und erfordert ein Umdenken. Organisationen stehen vor der Frage, wie sie ihren Bedarf an ausreichend qualifiziertem Personal zukünftig decken können. Eine Möglichkeit, dieser Herausforderung zu begegnen, ist der Einsatz von sogenannten altersgemischten Teams.

Die Zusammenarbeit von unterschiedlich alten Mitarbeitenden in einem Team bietet viele Chancen und Vorteile, wenn das Team aufmerksam und angemessen geführt wird. Bei unzureichender Führung können jedoch Konflikte entstehen und die Zusammenarbeit kann misslingen. Dabei stellt sich die Frage, welchen Beitrag eine Führungskraft leisten kann, um die unterschiedlichen, altersbedingten Merkmale sowie die unter den Teammitgliedern auftretenden Wechselwirkungen in Erfolge umzuwandeln. Auch stellt sich die Frage nach wesentlichen Kompetenzen von Führungskräften, die gewährleisten, dass ein Team mit unterschiedlich alten Mitgliedern wirksam geführt werden kann.

Unterschiede kennenlernen und wertschätzen

Tatsächlich zeigt sich, dass Führungskräfte von altersgemischten Teams dann erfolgreich sind, wenn die Wahrnehmung von Altersunterschieden im Team möglichst gering ist. Sollte sie eher hoch sein, können sich mit den jüngeren und den älteren Kollegen im Sinne der sozialen Kategorisierung Subgruppen bilden, was wiederum zu Konflikten führen kann. Allerdings ist es offensichtlich, dass Altersunterschiede nicht keine Rolle spielen können. Wenn Altersunterschiede teamintern sowie an den Schnittstellen der Zusammenarbeit wertgeschätzt werden, wenn also Vorurteile gegenüber älteren respektive jüngeren Mitarbeitenden abgebaut werden können und Altersdiskriminierung damit zuvorgekommen wird, dann können sich die Teammitglieder gegenseitig unterstützen und individuelle Erfahrungen und Potenziale nutzen.

Teammitglieder werden also dann gut zusammenarbeiten, wenn sie verstanden haben, welche Stärken und Fähigkeiten die Kolleginnen und Kollegen mitbringen. Dies ist der Schlüssel für gute Kooperation und insbesondere dann erfolgskritisch, wenn Teams komplexe Aufgaben zu bewältigen haben, da sie dann eine hohe Selbstorganisation an den Tag legen müssen. Die Führungskraft kann die Leistung im Team durch hohe Wertschätzung fördern und muss darauf achten, dass es genügend Raum für ein respektvolles, gegenseitiges Kennenlernen gibt.

Gesundheitsrelevante Aspekte am Arbeitsplatz

Auch Vorurteile können Altersdiskriminierung begünstigen, was sich wiederum negativ auf die Gesundheit der Betroffenen auswirkt. Für Führungskräfte gilt es deshalb, Stereotypen zu reduzieren und der Diskriminierung älterer respektive jüngerer Teammitglieder zuvorzukommen. Auch eine diversitätsfreundliche Personalpolitik kann der Wahrnehmung von Altersdiskriminierung entgegenwirken.

Ein weiterer Schlüssel erfolgreicher Führung in altersgemischten Teams ist die Schaffung altersgerechter und gesundheitsförderlicher Arbeitsbedingungen. Wenn altersbedingte Bedürfnisse z.B. in Bezug auf Arbeitszeiten, Arbeitsmittel oder die Ergonomie am Arbeitsplatz Berücksichtigung finden, werden Teammitglieder bessere Leistungen bringen. Sie fühlen sich wertgeschätzt und sind motivierter. Die gemeinsam mit den Betroffenen durchgeführte Gestaltung ihres Wirkungsrahmens im Team erhöht deren Leistungsfähigkeit und motiviert, möglichst lange im Arbeitsprozess zu verbleiben.

Wertschätzender Führungsstil

Damit Führungsarbeit im altersgemischten Team erfolgreich ist, braucht es schliesslich auch einen dem Alter gegenüber angemessenen und wertschätzenden Führungsstil. Wenn es der Führung gelingt, vorurteilsfrei und kooperativ ein Team zu leiten und dabei kommunikativ angemessen zu agieren, so wird sich dies positiv auf das Team und seine Leistungsbereitschaft auswirken. Von Vorteil ist es, wenn Führungskräfte dabei Elemente der transformationalen Führung anwenden. Wenn man nämlich annimmt, dass Führung als Unterstützung in Veränderungsprozessen insbesondere auch altersspezifische Charakteristika der betroffenen Teammitglieder bedenkt, dann kann man transformationale Führung als eine das Alter wertschätzende Führung bezeichnen. Damit dies gelingt, sind vor allem Fähigkeiten zur Selbstreflexion, zur Kommunikation und zur Kooperation auf Seiten der Führungskraft wichtig.

Wertvolle Kompetenzen für die Führung altersgemischter Teams

Den genannten Situationen und Stolpersteinen kann nicht jede Führungskraft gleich angemessen begegnen. Als wichtige Kompetenzen für eine erfolgreiche Führungskraft eines altersdiversen Teams erscheinen Aspekte wie:

  • Glaubwürdigkeit
  • Offenheit für Veränderungen
  • Mitarbeiterförderung
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Kooperationsfähigkeit
  • Konfliktlösefähigkeit
  • Teamfähigkeit

Altersgerechte Führung ist kein einheitlicher Führungsstil, andere Kompetenzen können ebenfalls wichtig sein. Allerdings wird auch deutlich, dass das Nicht-Vorhandensein der genannten Kompetenzen mit grosser Wahrscheinlichkeit zu Problemen und Konflikten in der Führungsarbeit führt und die teaminterne Zusammenarbeit behindert.

Das Modell lässt sich weiterdenken und wird vor dem Hintergrund der zunehmenden Globalisierung und Vernetzung komplexer. Welche Effekte haben weitere Diversitätsmerkmale wie z.B. die ethnische Herkunft der Teammitglieder auf ein altersheterogen zusammengesetztes Team? Wie lassen sich Anzeichen von Gesundheitsproblemen bei Teammitgliedern besser erkennen, wenn aufgrund immer häufigerer Veränderungen bestehende Strukturen infrage gestellt sind und Betroffene den Wandel als immer tiefgreifender erleben? Und wie wird sich der aktuelle Trend der Individualisierung bei den eher jüngeren Arbeitskräften auf die Arbeitswelt auswirken, wenn Lebensentwürfe vielfältiger und unsteter werden? Es ist anzunehmen, dass Führung auch in Zukunft um das Managen von Diversität nicht herumkommt.

Weitere Infos

    Über den Autor

    Christopher Schneider

    Christopher Schneider verfügt über grosse Erfahrung als Berater, Coach, Dozent und Trainer. Er arbeitet als Senior Berater und Coach im Bereich der Organisationsentwicklung in Bern, spielt seit Jahren Improvisationstheater und steht regelmässig auf öffentlichen Bühnen. Seit einiger Zeit setzt er in seiner Arbeit als Coach und Entwickler neben bewährten Tools und Techniken vermehrt auch auf Theater-Elemente, um unbewusste Potenziale in Teams spielerisch sichtbar zu machen.