Blockchain – Buzzword, Hype oder doch ganz brauchbar?

Was ist Blockchain überhaupt und was will es? Und vor allem: Ist es tatsächlich die magische Lösung für jedermann? German Ramirez klärt im Interview auf.

AutorSheila Karvounaki
Datum29.10.2018
Lesezeit5 Minuten

Es ist einer der am meistverwendeten Begriffe der letzten Jahre: Blockchain. Egal of Finanzdienstleister, Kommunikationsunternehmen oder IT-Development, alle haben Blockchain als «the way to go» definiert. Doch was ist Blockchain überhaupt und was will es? Und vor allem: Ist es tatsächlich die magische Lösung für jedermann? German Ramirez, Blockchain-Experte der ersten Stunde klärt im Interview auf.

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German, da der Begriff 2008 von Satoshi Nakamoto im Zusammenhang mit Bitcoin verwendet wurde und von da an extrem Fahrt aufgenommen hat, könnte man meinen, Blockchain beträfe nur Finanzdienstleister. Ist dem so?

In keinster Weise. Blockchain betrifft potenziell alle Transaktionen zwischen Parteien, die sich nicht kennen und/oder vertrauen. Und damit jedes mögliche Geschäft, weit über Finanzdienstleistungen hinaus. Ich behaupte, Blockchain hat das Potenzial, für Transaktionen das zu werden, was das E-Mail für Briefe bedeutet hat.

Wie erklärst du Blockchain einem Greenhorn?

Blockchain ist im Grunde nichts anderes als eine Datenbank, die ein paar Besonderheiten mit sich bringt. Erstens, sie wird nicht zentral von einer einzigen Stelle aus kontrolliert, sondern ist dezentral auf Tausende von Rechnern weltweit gleichzeitig gespeichert. Damit kann nicht eine einzige Stelle die Datenbank manipulieren und kontrollieren. Zusätzlich können Einträge nicht rückwirkend geändert werden. Damit ist sie transparenter und zuverlässiger. Es gibt noch viele weitere Besonderheiten und Details, aber einfach erklärt, erlaubt Blockchain vertrauenswürdige Transaktionen zwischen den Beteiligten, ohne dass man sich oder einer dritten Partei vertrauen muss. Dadurch ist es schneller, sicherer, funktioniert ohne Mittler und ist damit günstiger.

Du warst von der ersten Stunde an beim Thema Blockchain dabei. Wie hat sich das Thema über die Jahre entwickelt?

Durch den Boom der Cryptowährungen und die Kurssteigerungen, sind in letzter Zeit viele Akteure in die Szene getreten, welche weniger an der Technologie und deren Fähigkeit interessiert sind, als daran, schnell Geld zu verdienen. Auf der anderen Seite sorgt diese Aufmerksamkeit für einen stärkeren Antrieb hinter der Technologie und deren Verbreitung. Dieses Jahr kommt es durch den Zusammenbruch der Crypto-Preise zu einer Welle der Bereinigung. Der Bereich professionalisiert sich zunehmend. Projekte mit Substanz und starke Teams werden sich durchsetzen, aber die meisten werden den sogenannten “Crypto-Winter” nicht überleben.

Was ist deine persönliche Haltung zu Blockchain?

Blockchain hat das Potenzial, die Welt zu verändern, indem sie unsere Wirtschaft emanzipierter, transparenter und demokratischer macht. Aber wir stehen immer noch am Anfang.

Wie erlebst du den Umgang mit dem Thema in deinem Berufsalltag / beruflichen Umfeld?

Dadurch, dass unsere Firma eine Full-Service-Marketing-Agentur für Blockchain & ICOs ist, ist die Blockchain im Alltag bei uns allgegenwärtig. Wenn wir diese kleine Szene verlassen und in die «normale» Welt zurückkehren, fällt jedoch schnell auf, wie gering die eigentliche Rolle von Blockchain im Alltag ist.  

Was besagt deine Erfahrung: Kann Blockchain in jedem Unternehmen funktionieren?

Ganz sicher nicht. Weder in jedem Unternehmen noch für alle Probleme. Es gibt viele Bereiche, bei denen eine klassische zentrale Datenbanklösung viel schneller, einfacher und günstiger ist.

Welche 3 (oder 5) Tipps würdest du als Experte einem Unternehmen auf den Weg geben, das Blockchain umsetzen möchte?

  1. Lesen, fragen, interagieren, an Meetups etc. teilnehmen … LEARN LEARN LEARN.
  2. Experten zu Rate ziehen, jedoch vorsichtig bei vielen «Experten».
  3. Geduld haben, es wird lange brauchen, bis eine breite Nutzung stattfindet.

Zu guter Letzt noch ein Blick in die Kristallkugel: Wo stehen wir in punkto Blockchain in 5 Jahren?

Wir werden hoffentlich erste, sinnvolle Applikationen und Use Cases haben, über die Cryptowährungen hinaus. Wir werden viel weniger, dafür viel sinnvollere und seriösere Projekte und Startups in Szene treten sehen. Die Regulierung wird vorangeschritten und damit die Unsicherheit geringer sein. Der Hype wird sich hoffentlich gelegt haben, dafür wird endlich Adaption und Professionalisierung eintreten. Kurz gesagt: Blockchain wird eine reifere Technologie geworden sein, auch wenn nach wie vor erst am Anfang.

Weitere Infos

    Über den Autor

    Sheila Karvounaki

    Sheila Karvounaki Marti hat Journalismus und Organisationskommunikation studiert und hat sich über die Jahre auf Online-Kommunikation spezialisiert. Sie ist Community Managerin bei Digicomp und berät als Freelancerin verschiedene KMU bei ihren Online-Aktivitäten. Sie war Leiterin Kommunikation & Community Management an der SOMEXCLOUD GmbH und 10 Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, im Bereich der Projektleitung und -organisation sowie in der Forschung tätig.