Ressourcenorientierter Wandel

Change-Expertin Suzanne Ruf geht der Frage nach, ob man in Veränderungsprozessen alles bisherige wirklich über den Haufen werfen muss und wie man mit Bewahrenswertem umgeht.

AutorSuzanne Ruf
Datum26.09.2018
Lesezeit6 Minuten

Ich gebe es zu, in den letzten Monaten beobachte ich mich immer wieder wie ich denke «früher war es …». Dabei erinnere ich mich, wie es mich genervt hat, dies von älteren Mitarbeitenden in meinem Team zu hören oder gar von meinen Eltern. Und jetzt gehöre ich selbst schon zu denen, die diese Floskel gebrauchen. Und doch frage ich mich manchmal, muss denn ALLES anders werden?

In den vergangenen Jahren konnte ich viele Veränderungsprojekte beobachten, sei es als selbst betroffene Mitarbeiterin oder Führungskraft, sei es als Verwaltungsrätin oder als Dozentin im Change-Management. In vielen Projekten werden die Hausaufgaben gut gemacht. Es wird ein Konzept für die neue Welt erstellt, die Mitarbeitenden werden informiert, es wird im Detail definiert, was genau anders sein wird oder – im besten Falle – dürfen die Mitarbeitenden gleich schon in den Details mitgestalten. Die Euphorie des Projektteams ist gross, die Handlungsfreiheit eventuell auch. Endlich können die alten Zöpfe grundlegend abgeschnitten werden und Neues kann entstehen.

Das Neue soll ja so attraktiv wie möglich sein, damit die ganze Organisation in die wandlungsfähige Stimmung kommt. Das Gefühl der Dringlichkeit muss geschaffen werden, um jedem und allen klar zu machen, dass der Wandel nun unausweichlich ist.

Doch war denn alles so schlecht, was wir bisher gemacht hatten?

Das fragen sich diejenigen Mitarbeitenden, die dem radikal Neuen etwas skeptischer entgegenstehen. War alles falsch, was wir bisher gemacht haben? Natürlich hat dies direkt Auswirkung auf die Motivation der Mitarbeitenden, sich im Veränderungsprozess zu engagieren. Oder würden Sie es mögen, wenn Ihnen plötzlich jemand unaufgefordert vor Augen hält, Sie hätten nicht Ihr Bestmögliches gegeben in den letzten Jahren? Dabei hatten Sie sich so angestrengt, manches Wochenende trotzdem noch gearbeitet oder am Abend die privaten Termine abgesagt, um die sogenannte Extra-Meile zu gehen. Und nun soll das alles keinen Wert mehr haben?

Umstände verändern sich und machen Wandel notwendig, das ist uns allen klar. Doch muss sich dabei wirklich gleich alles ändern oder gibt es da doch Strategien, Prozesse und Kommunikationswege, die bewährt sind und an denen gerne festgehalten werden darf, da sie für die Unternehmung optimal sind?

Vergangenes und Funktionierendes würdigen

Um ein nachhaltiges Ergebnis in einem Veränderungsprozess zu erhalten, ist es in jedem Fall sinnvoll, in der Konzeptphase, wenn die Veränderungsvision entsteht, auch darauf zu achten, was denn bestehen bleiben darf, weil es sich bewährt hat und weil es gut ist. Das schafft gerade bei den Mitarbeitenden, die sich in der Vergangenheit voller Herzblut engagiert haben, Vertrauen und gibt auch eine gewisse Sicherheit, dass in den Umbruchszeiten auch noch Bewährtes und Vertrautes lebendig gehalten werden darf.

Diese Würdigung des Vergangenen hat gleich mehrere Vorteile:

  1. Mitarbeitende, die bereits viel Loyalität bewiesen haben, erhalten Anerkennung für vergangene Leistungen und Engagements
  2. Sie können im Veränderungsprozess den Fokus dort drauf legen, wo eine Veränderung, aus welchen Umständen auch immer, wirklich angebracht und notwendig ist
  3. Die Veränderungen können organisch an das Wachstum und an das Entwicklungstempo der Organisation angepasst werden, was die Adaption des Neuen für alle Beteiligten einfacher macht

Sollten Sie also in naher Zukunft einen Veränderungsprozess in Ihrer Organisation begleiten, denken Sie bereits zu Beginn des Projektes daran, Fragen zum heutigen Zustand zu stellen.

  • Was läuft denn heute besonders gut und ist für die Organisation so wertvoll, dass es in die Zukunft mitgenommen werden soll?
  • Wo zeigt es sich, dass Prozesse, Strukturen oder Hilfsmittel losgelassen werden sollen?

Dies gibt Ihnen einen guten Überblick über den IST-Zustand der Organisation. Sie fragen nicht nur nach, was besonders schlecht läuft, sondern Sie finden auch heraus, was gut läuft und was bewahrenswert ist.

Bereits mit dieser Nachfrage können Sie viel Vertrauen bei den Stakeholdern schaffen. Für die Mitarbeitenden ist es zudem eine Möglichkeit, selbst die Erkenntnis zu gewinnen, was eben vielleicht doch ein alter Zopf ist und endlich abgeschnitten werden sollte. Ausserdem finden Sie so bereits in dieser frühen Phase heraus, welche Kommunikationstiefe und welche Schulungstiefe es für die Umsetzung des Neuen braucht.

Alles in Allem ist die Frage nach dem Bewahrenswerten also eine lohnende Frage.

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    Über den Autor

    Suzanne Ruf

    Suzanne Ruf begleitet seit vielen Jahren und mit grossem Erfolg Menschen und Organisationen in Veränderungen. Sie ist Motivationscoach, Organisationsentwicklerin und erfahrene Trainerin. Mit ihrer breaksru gmbh unterstützt sie KMU in deren kontinuierlicher und nachhaltiger Weiterentwicklung. Dabei verliert sie nie aus den Augen, welche Auswirkungen die geplanten Veränderungen für die betroffenen Menschen haben. Die Verknüpfung der menschlichen Ebene mit den organisatorischen Fakten sind ihr Erfolgsrezept.