Führung von morgen – was erwartet der Nachwuchs vom zukünftigen Chef?

Was erwarten zukünftige Generationen von ihren Chefs? Digicomp Experte Christopher Schneider wagt einen Ausblick, mit welchen Forderungen Führungskräfte in Zukunft zu rechnen haben.

AutorChristopher Schneider
Datum09.08.2018
Lesezeit8 Minuten

Was vor 50 Jahren als gute Führung galt, ist heute schon lange nicht mehr en vogue. Wer hätte damals vorhergesagt, wie die Arbeitsbedingungen im Jahre 2018 einmal aussehen würden? Heutzutage wollen Mitarbeitende in ihren Stärken gefördert werden und sich persönlich und fachlich permanent weiterentwickeln können. Chefs sollen Rahmenbedingungen schaffen, damit jeder im Team mit Freude zur Arbeit kommt und sich engagiert in die möglichst sinnvollen Aufgaben einbringt. Darüber hinaus fordern Mitarbeitende von ihren Vorgesetzten klare Ziele und Entscheidungen, einen Einbezug in Lösungsfindungsprozesse, Vertrauen ins eigene Können sowie einen offenen Umgang. Freiraum und Flexibilität beim Arbeiten sind ebenfalls wichtig. Kontrolle ist selbstverständlich unerwünscht, hingegen ein regelmässiges Feedback zu Arbeitsleistung und Verhalten gern gesehen.

Eine neue Generation im Anmarsch

Viele Unternehmen sind sich dieser Präferenzen und Erwartungen bewusst und akzeptieren, dass ihre Mitarbeitenden viele dieser Aspekte mittlerweile als selbstverständlich erachten und einfordern. Dies ist ihr gutes Recht und spiegelt ein Stück weit auch die Entwicklung unserer in vielen Bereichen komplexer werdenden Arbeitswelt sowie den Mangel an guten Fachkräften wider. Doch in welche Richtung werden sich Präferenzen weiterentwickeln? Welche Erwartungen an Arbeitsplatz und Vorgesetzte werden die Angestellten von (über-)morgen haben? Nachdem die Millennials (häufig auch Generation Y genannt) mittlerweile den Weg in den Arbeitsprozess gefunden haben und dort einiges auf den Kopf stellen, kündigt sich in den kommenden Jahren schon die nächste Generation an Arbeitskräften an. Die nach 2000 Geborenen werden häufig als Generation Z bezeichnet. Aktuell gehen sie häufig noch zur Schule, absolvieren demnächst ihre erste Ausbildung oder streben ein Hochschulstudium an. Sie wachsen wie selbstverständlich mit digitaler Technologie auf und leben häufig in einer materiell abgesicherten Welt. Welche Werte vertreten diese jungen Menschen, und welche Erwartungen haben sie an den Arbeitsplatz und den Chef der Zukunft?

Es gibt noch nicht sehr viele Forschungsergebnisse zu diesem Thema. Allerdings lassen sich im Beratungsalltag immer wieder Aussagen von aktuellen Entscheidern zu diesem Thema dokumentieren. Heutige Firmenchefs und Vorgesetzte vermuten, dass junge Generationen möglicherweise radikal andere Vorstellungen von Arbeit und Führung haben als das in der Vergangenheit der Fall war oder heute ist.

Ein charismatischer Primus inter Pares?

Einige vermuten, dass der Chef immer mehr zum Primus inter Pares wird, also Führung stärker aus dem Team heraus passiert und damit Elemente wie Hierarchie und Status noch stärker als heute an Bedeutung verlieren.

Die perfekte Führungskraft im Jahre 2030 könnte ein Charismatiker sein, welcher bodenständig, charmant und souverän das Team durch seine gemeinsamen Herausforderungen manövriert und sich dabei humorvoll und selbstironisch gibt. Weil der Nachwuchs dies so wünscht.

Führungsfiguren, zu denen man emporschaut, weil sie sich durch ausserordentliche Leistungen und unermüdlichen Einsatz verdient gemacht haben, sind nicht mehr gewünscht. Vielmehr ist der Chef von übermorgen ein Familienmensch, eine Mutter mit klar abgegrenzten Bürozeiten oder ein Vater, der zwei Halbtage die Woche abwesend ist, weil die Hausarbeit klar zwischen beiden Elternteilen aufgeteilt ist.

Weniger Fachwissen, mehr Sozialkompetenz

Wie steht es um Loyalität zur Firma, zum Team, zu eigenen Überzeugungen? Kennt sich der Chef der Zukunft tatsächlich bestens aus im entsprechenden Fachgebiet? Kennt er die Praxis aus der eigenen Erfahrung, oder ist es wichtiger, die richtigen Menschen zusammenbringen zu können und Netzwerke nicht nur zu verstehen, sondern sie zu entwickeln? Fest zu stehen scheint hier lediglich, dass soziale und interpersonale Kompetenzen weiter an Bedeutung gewinnen und die Bedeutung von Fachexpertise in der Führungsarbeit tendenziell abnimmt.

Bunter Strauss an Erwartungen

Der Schreibende hatte kürzlich die Gelegenheit, einen explorativen Workshop mit Mitgliedern der Generation Z zu moderieren und die Erwartungen junger Menschen an die Vorgesetzten der Zukunft zu erfahren. Die nicht-repräsentativen Ergebnisse muten erstaunlich an.

Der oder die Vorgesetzte solle doch bitte eher ein Freund sein, der vor allem die gute Beziehung pflegt und immer für die Mitarbeiteranliegen da ist.

Eine(r) mit breiter Expertise und anpackendem Charakter, falls die zu bewältigenden Aufgaben einmal zu gross sein sollten. Überhaupt erwarten sich die jungen Menschen ein harmonisches Arbeitsleben mit partnerschaftlichem und wertschätzendem Umgang. Entscheidungen würden durch das Team getroffen, der Umgang wäre familiär, offen und transparent. Glaubwürdigkeit hätte einen hohen Stellenwert, und zwar in beide Richtungen zwischen Chef und Mitarbeitenden. Und Arbeit und Freizeit wären klar geregelt und getrennt. Auch wenn das Arbeiten unterwegs möglich ist und «always online» als Teil der DNA der Generation Z zu sehen ist, so gilt dies in der Freizeit auch nur für Privatangelegenheiten.

Was auch immer da kommt, da kommt was!

Es bleibt zuerst einmal bei Beobachtungen und Vermutungen. Teilweise wiedersprechen sich diese auch, und teilweise wirken sie utopisch. Und doch zeigen diese Überlegungen, dass die jungen Generationen immer selbstbewusster Forderungen stellen könnten, weil sie um ihren Status der raren, gut ausgebildeten und umworbenen Arbeitskraft wissen oder aber ganz einfach nicht um jeden Preis arbeiten müssen, da Freundeskreis und Umfeld (Stichwort: Helikoptereltern) auch über die Ausbildung hinaus viel länger unterstützen als das einmal üblich war. Es bleibt abzuwarten, welche Entwicklungen puncto Erwartungen an Arbeitsplatz und Führungskräfte sich in den kommenden Jahren entwickeln, wenn immer mehr Mitglieder der Generation Z ins Berufsleben eintreten. Darüber nachzudenken, was dies alles bedeuten könnte, lohnt sich hingegen bereits heute. Denn was auch immer da kommen mag an neuen Erwartungen und Überzeugungen der ganz jungen Leute. Da kommt was!

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Die digitale Welt bedeutet Veränderung – in unserer Art des Arbeitens, der Zusammenarbeit, der Kultur in Unternehmen. Auch der Umgang mit Stress und neuen Anforderungen will gelernt sein.

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    Über den Autor

    Christopher Schneider

    Christopher Schneider verfügt über grosse Erfahrung als Berater, Coach, Dozent und Trainer. Er arbeitet als Senior Berater und Coach im Bereich der Organisationsentwicklung in Bern, spielt seit Jahren Improvisationstheater und steht regelmässig auf öffentlichen Bühnen. Seit einiger Zeit setzt er in seiner Arbeit als Coach und Entwickler neben bewährten Tools und Techniken vermehrt auch auf Theater-Elemente, um unbewusste Potenziale in Teams spielerisch sichtbar zu machen.