Lauren Wildbolz: Influencerin mit veganem Content

Sich öffentlich für seine Überzeugung stark machen braucht Mut! Die Veganerin Lauren Wildbolz sagt uns, was einen “wahren” Social Media Influencer ausmacht.

AutorZuzanna Bohdanowicz
Datum25.06.2017
Lesezeit7 Minuten
Porträt von Lauren Wildbolz
Lauren Wildbolz, Foto: Andrea Diglas

Lauren Wildbolz ist DIE Vorzeigeveganerin der Schweiz. Sie ist Mutter, Künstlerin, Köchin, Caterer, Bloggerin sowie zweifache Kochbuch-Autorin. Ausserdem serviert die Food-Waste-Aktivistin auch gerne mal etwas Frisches aus dem Müll. Das klingt verdächtig nach Superheldin! Zeigt aber vielmehr die Vielseitigkeit auf, die man als Influencerin mit kontroverser Meinung mitbringen muss. Trotz Nischenthema “Veganismus”, hat die Zürcherin einen Eintrag auf Wikipedia und ist ein gern gesehener Gast im Schweizer Fernsehen. Wie wird man ein erfolgreicher Influencer, liebe Lauren?

 

Zürich, 8. Juni 2017

 

Wie hat dein Foodaktivismus auf Social Media begonnen?

“2008 wurde ich Veganerin. Damals war ich Kunststudentin und verband, in Form von veganen Koch-Happenings, meine Überzeugung mit meiner künstlerischen Arbeit. Der einfachste und günstigste Weg Leute einzuladen waren die Facebook-Events. Die “Timeline” damals war noch schön übersichtlich, ohne Werbung und mit (noch) wenig Freunden. Oft kamen 100 Leute zu meinem Happening durch Facebook, unglaublich! 2009 eröffnete ich das erste vegane Restaurant in Zürich: die “Vegan Kitchen & Bakery”. Wir begannen Fotos von unseren Menüs in der Timeline zu publizieren. Unterdessen bin ich auch auf Instagram, Twitter und YouTube präsent und führe einen Blog. Als Geschäftsfrau habe ich ein Profil auf Xing und Linkedin.”

 

Kannst du von deiner Social-Media-Präsenz leben?

Dekoratives Setting für ein veganes Kinder-Teekränzchen
Vegane Teaparty für Kids

“Die Internetpräsenz war für mich lange ein unbezahlter Nebenjob, um die Bekanntheit des Restaurants und meiner Kunstprojekte zu steigern. Seit zwei Jahren treten Firmen langsam mit Aufträgen an mich heran. Beispielsweise am “Food Blog Day Zürich” habe ich Vertreter von Coop und BWT kennengelernt. Für Fooby (Coop) schreibe ich seither vegane Rezepte. Mit Ikea Schweiz habe ich ebenfalls eine spannende Kooperation. Einer meiner redaktionellen Beiträge ist ein inszeniertes veganes Teekränzchen für meine Tochter. Diese Einnahmen sind ein willkommenes Nebeneinkommen, davon leben kann ich aber nicht.”

 

Was macht einen erfolgreichen Influencer aus?

“Der Begriff “Influencer” ist für mich generell sehr unstimmig. Ich unterscheide zwischen Influencern ohne oder mit einem konkreten Anliegen, das über die Selbstdarstellung hinausgeht.

Erfolgreiche Influencer …

• erschaffen einen Traum von einem Leben, das andere führen wollen.
• präsentieren einen ästhetisch ansprechenden, coolen, aktiven Lifestyle.
• verkörpern KEINE kontroverse Meinung.

Während viele sogenannte Influencer ihren Körper, Outfits, schöne Locations und ihre Lieblingsprodukte zeigen, sollte meiner Ansicht nach ein “wahrer” Influencer andere positiv “beeinflussen”. Wer eine Community zu einem bestimmten Thema sensibilisieren oder aufklären möchte, sollte Folgendes beachten:

• Vertrete deine Meinung konsequent.
• Sei dir selber treu, deine Beiträge dürfen nicht aufgesetzt wirken.
• Biete deiner Community relevanten Content an.
• Dein Statement steht im Zentrum, nicht du.
• Gehe Kooperationen mit Gleichgesinnten ein.
• Stehe mutig für deine Sache ein, ohne Rücksicht auf Erfolg oder finanzielle Vorteile.

Followermässig bin ich vielleicht nicht so erfolgreich wie andere, dagegen werde ich oft in den Medien diskutiert. Auch das Schweizer Fernsehen hat mich zu diversen Sendungen eingeladen. Das sind für mich die wichtigen Gelegenheiten, meine Überzeugung einem breiten Publikum vorzustellen – viel wertvoller, als ein schönes Insta-Föteli. Mein Engagement zahlt sich auch in dieser Form aus. Natürlich benutze ich aber die Online-Gefässe für Dinge wie die Promotion meiner Kochbücher oder -kurse.”

 

Instagram Post mit Green Smoothie
Instagram Post mit Green Smoothie

Wer ist dein Traumsponsor und mit wem gehst du keinen Deal ein?

“Ein grosses veganes Label wäre natürlich toll. Ich sehe mich jedoch nicht ausschliesslich als Food-Bloggerin. Es kann durchaus eine NGO sein, wie “Sea Shepherd”, “Peta” oder “Greenpeace”. Einen Deal mit einem Eistee-Hersteller habe ich mal abgesagt. Eistee ist ja per se vegan, warum soll ich mich dafür starkmachen? Das Produkt muss bei mir einen Wow-Effekt auslösen und mit meinen Werten übereinstimmen.”

 

Verfolgst du eine Strategie?

“Ausser einem groben Redaktionsplan, gar keine. Ich bin eine Macherin. Lieber will ich vor der Kamera stehen, Menschen bekochen und netzwerken, anstatt über Strategien nachzudenken. Ist aber sicherlich nicht die beste Methode :-).”

 

Wer sind deine Fans?

“Meine Follower sind vorwiegend zürichorientiert. Der Frauen- und Männeranteil ist ausgeglichen. Altersmässig sind die Fans zwischen 24 und 65 Jahre alt, die meisten aber um die 35. Auf Instagram schreibe ich auf Englisch, da habe ich noch eine Handvoll internationaler Gefolgschaft. In Deutschland ist die Konkurrenz sehr gross, da stehlen mir prominente Vegane Gastronomen wie Attila Hiltmann die Show :-).”

 

Verfolgst du andere Influencer?

“Ich treffe mich mit Influencern lieber für ein gemeinsames Projekt, statt ihnen online zu folgen. Mit einer Gruppe Influencer-Frauen habe ich einen “Vegan Women Business Club” gegründet. Alle drei Monate treffen wir uns, um uns gegenseitig zu unterstützen. Meine Anlass-Reihe “Vegan Soirée” führe ich mit anderen, namhaften Köchen aus, demnächst z.B. mit Pascal Haag.”

 

Wie sieht deine Zukunft auf Social Media aus?

“Ich habe eine Wunschvorstellung: Etwas Online-Detox würde uns allen gut tun. Weniger, aber dafür mit mehr Qualität – ganz im Sinne des aktuellen Minimalismus-Trends. Mein Karrieretraum ist eine eigene “Vegan-on-the-road”-Sendung im TV oder auf YouTube ”

 

Denke liebe Lauren!

Lust auf ein veganes Catering? Say hello to Lauren!

Teilnehmer-Beitrag

Im Rahmen des Lehrgangs Social Media Community Manager («SMCM») verfassen die Kursteilnehmer Blogbeiträge. Diese Beiträge publizieren wir natürlich gerne in unserem «Drive the change»-Blog.

Die Teilnehmer sind frei und selbsverantwortlich in der Themenwahl ihres Beitrages. Inhaltlich muss sich der Artikel nicht mit der Meinung von Digicomp decken.

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Zuzanna Bohdanowicz