SOMEXCLOUD goes re:publica 2016 – Tag 1
AutorSheila Karvounaki Marti
Datum03.05.2016
Lesezeit8 Minuten

Alt-Eingesessene wissen‘s: Sich an der re:publica( zu) viel vorzunehmen bringt nichts. Zwar wird einem das mit dem vollen Programm und wunderbaren Apps leicht gemacht, doch am Ende des Tages nutzt alles nichts. Die Gründe dafür sind vielfältig, aber eigentlich auch ganz simpel:

  • Es geht an der re:publica eben nicht „nur“ um die Inhalte der Sessions;
  • An der re:publica trifft sich jährlich der Social Media- und Digital-Kuchen auf einem Blech;
  • Der Social Media- und Digital-Kuchen wächst stetig und birgt immer wieder neue „Zutaten“.

Zusammengefasst will das heissen, dass man an der re:publica immer wieder daran gehindert wird, seinen Plan durchzuziehen. Dies jedoch auf interessante Art und Weise und ohne den Mehrwert des Besuchs im Geringsten zu mindern.

Im Gegenteil: Das Schöne ist, dass eben genau dieses stete Hindern in Form von Austausch mit anderen Besuchern und Besucherinnen dazu führt, Informationen aus jeder Session zu erhalten und darüber hinaus auch noch die Meinung von vielen unterschiedlichen Expertinnen und Experten zum Thema. Die Masse an Teilnehmenden führt zur Tradierung und Erweiterung des Besprochenen. Ganz im Sinne des diesjährigen Mottos „BesucherInnen sind Speaker. Gäste sind Akteure. TEN ist NET.“

Let’s snap it – Session 1

Meine dieses Jahr allererste Session war „Let’s snap it: How organisations  can use Snapchat“ mit Franziska Broich. Sie ist Journalistin und war 3 Jahre lang für das Social Media-Team des Europäischen Parlaments tätig. Bereits während dieser Zeit hat Snapchat ihre Aufmerksamkeit gewonnen und so hat sie in ihrem Vortrag Einsatzmöglichkeiten der Plattform durch Organisationen und Unternehmen gegeben.

Snapchat ist eines der jüngsten Social Media-Netzwerke. 75% der User_innen sind unter 25 Jahre alt. Insbesondere für politische Organisationen und Unternehmen mit geringem Budget eignet sich die Plattform wunderbar, so Broich. Ihr Vortrag lässt sich wie folgt zusammenfassen:

  • Der Account-Names sollte gut überlegt und gewählt werden;
  • Immer den eigenen Link am Ende der Snaps platzieren;
  • Snapchat ist und soll persönlich sein und für gute Aufnahmen muss man relativ nahe am Objekt sein;
  • Snaps an die eigene Zielgruppe anpassen, den eigenen Stil finden;
  • Immer vertikal filmen;
  • Der Vormittag eignet sich besser zum posten von Inhalten;
  • 2-3 Stories pro Woche mit einer Dauer von max. 2 Minuten reichen;
  • Als Content eignen sich Quiz, Umfragen, Chats, Insights (Informationen und „Behind the scenes“-Beiträge) sowie Wrap-ups.

Ein Nachteil von Snapchat ist sicherlich die schwierige bis unmögliche Messung. Hier empfiehlt Broich einerseits die Skip-outs zu zählen und andererseits schlicht zu notieren, wie viele Accounts eingeladen werden bzw. folgen.

  • Zu guter Letzt hier noch einige Vorschläge zur Steigerung des Bekanntheitsgrades des Snapchat-Accounts:
  • Auf den anderen Plattformen (YouTube, Instagram etc.) immer auf den Snapchat-Account hinweisen;
  • Das Profilbild auf anderen Plattformen durch den Snapchat-Geist ersetzen;
  • Die publizierten Stories auf anderen Plattformen promoten;
  • Influencer auf dem oder über den eigenen Account sprechen lassen.

Alles in Allem war der Vortrag von Broich sehr spannend, wobei ich mich zuweilen gefragt habe, warum sie Englisch als Vortragssprache gewählt hat.

Die nachhaltige Disruption – Session 2

Als nächstes trieb es mich in den Vortrag „Die nachhaltige Disruption: Zukunft muss sich wieder lohnen“ mit Contantin Alexander. Mein erster schmunzelnder Gedanke, als ich am richtigen Ort ankam: „Cool, auch bei Speakern der re:publica funktioniert zuweilen die Technik nicht, sehr entspannend zu wissen“.

Der Nachhaltigkeitsberater, Politikwissenschaftler und freie Journalist Constantin Alexander berichtete im Vortrag von seinem Einsatz im Rahmen des grössten Betonfundaments Europas – dem Ihme-Zentrum in Hannover. Er zog dazu 2014 selber in das Zentrum ein und betreibt dort seitdem eine Umweltanalyse. Seine Ergebnisse und Erfahrungen dokumentiert er im Stil des subjektiven und konstruktiven Journalismus auch auf einem Blog ihmezentrum.org.

Disruptives Verhalten ist für Alexander nicht nur notwendig sondern – und das spürt man bei jedem Wort – auch eine Frage der Haltung. Dabei sind die für ihn leitenden Fragen „Warum ist es kaputt?“ und „Wie kann es nachhaltig repariert werden?“. So war sein Vortrag gleichzeitig auch ein Appell. Ein Appell an jede_n Einzelne_n disruptiv zu sein, immer wieder den sogenannten „disruption point“ zu finden. Nicht zu vergessen dabei: Bei nachhaltiger Entwicklung sollte immer die Crowd bestimmend sein! Resilienz ist, so Alexander, auch die Fähigkeit einer Stadt, einer Gesellschaft, auf Kulturwandel eingehen zu können.

Ganz schön voll hier

Als nächstes wollte ich den Workshop „Digital Storytelling – Trends, Tools, Topics“ mit Isa Sonnenfeld besuchen. Mein Versuch scheiterte jedoch an zwei Dingen:

  • Der Raum war proppenvoll und die Akustik schlecht;
  • Die ersten 15 Minuten glichen einer Google-Werbeveranstaltung.

Und so kam es, dass ich den Raum wieder verliess.

Ganz allgemein merkt man auch dieses Jahr, dass die re:publica sich als Social Media- und Digital-Konferenz endgültig etabliert hat. Obschon im Hof der Eindruck entsteht, dass gerade alle Besucher_innen draussen sind und die Räume entsprechend leer sein sollten, sind die Räume voll. Die Location der Station Berlin stösst ob der riesigen Masse an Teilnehmenden langsam an ihre Grenzen, so scheint es.

 

Kunst – ein Grundbedürfnis

Nach diesem Drop-out trieb es mich auf Stage 1, wo Ruth Daniel ihrem Vortrag „Art: What is it good for?“ hielt. Und hier zeigte sich das oben erwähnte re:publica-Phänomen, Dinge nicht allzu starr zu planen. Denn obschon eher zufällig in diesem Vortrag gelandet, war es der beste. Daniel zeigte dabei klar auf, dass und warum Kunst ein Grundbedürfnis darstellt und bot viele Beispiele dafür, wie Kunst insbesondere in Krisengebieten stattfindet und wirkt. Die von ihr genannten Beispiele waren beeindruckend, handelte es sich dabei doch immer um Künstler_innen, die durch ihre Kunst nicht nur selbst die extrinsisch aufgesetzten Krisen, wie Krieg, Verfolgung etc., bewältigten sondern auch der
Gesellschaft einen zumindest kurzweilig „sicheren Ort“ bieten und durch ihre Kunst immer wieder auf Missstände hinweisen.

Zu guter Letzt – der Held

Um 19.45 Uhr war es dann soweit: Der Held vieler re:publicaner_innen mit dem roten Haarkamm Sasha Lobo. Nachdem er letztes Jahr nicht da war, was viel Besucher_innen irritierte, hielt er dieses Jahr wiederum eine seiner flammenden Reden. „The age of trotzdem“ hiess es und gemeinsam mit dem äusserst zahlreich erschienen Publikum übte er dann auch das Trotzdem-Sagen. Und rief dazu auf, nein forderte, dass die Leute Unternehmen gründen. Unternehmen mit denen und durch welche sie für ein freies Netz eintreten können. Auf geht’s!

 

 


Über den Autor

Sheila Karvounaki Marti