Gutes und valides HTML - wer braucht das schon?

Unser Kursleiter Alex Kereszturi zeigt in seinem Beitrag einige der goldenen Regeln für schlechtes HTML von 1997, die auch heute noch gültig sind, wenn man denn schlechtes HTML schreiben will. Und er zeigt auf, wie wichtig neben der visuellen Erscheinung einer Website ein solides Fundament ist, sprich valides HTML.

AutorAlex Kereszturi
Datum12.02.2014
Lesezeit6 Minuten

In nostalgische Stimmung gekommen bin ich letzthin, als ich über eine Website stolperte, die mich schon anno 1997 begeistert hat: http://www.karzauninkat.com/Goldhtml/goldhtml.htm mit dem vielversprechenden Titel «Die Goldenen Regeln für schlechtes HTML».

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Ich staune, welche Regeln für schlechtes HTML schon damals bekannt waren – und wie viele davon heute noch aktuell sind. Z.B. Regel Nummer 1: «Lesen Sie keine Anleitungen», erinnert mich an den Spruch «Two hours of trial and error can save you two minutes of manual reading.» Klar gibt es auch jene Regeln, die heute schlicht und ergreifend nicht mehr relevant sind. Aber schauen wir uns doch ein paar jener Regeln etwas genauer an, die auch heute noch gültig sind, wenn man denn schlechtes HTML schreiben will.

  • Regel Nummer 2: Benutzen Sie immer die allerneusten Tags

Im Zeitalter von HTML5 gibt es ja einige solcher «neuen» Tags. Doch wer in HTML5 einen Superhelden und Retter der HTML-Welt sieht, hat die entsprechenden Blogs und Anleitungen scheinbar nicht gelesen. Kurz: Bei HTML5 geht es um drei wichtige Dinge: Fallbacks, Fallbacks und Fallbacks – wie reagiert der Browser, wenn ein neuer Tag nicht bekannt ist. Wer also nur die allerneuesten Tags benutzt und nicht an ältere Browser denkt, schreibt «schlechtes» HTML.

  • Regel Nummer 21: Entwerfen sie immer für eine bestimmte Bildschirmauflösung

Hier erinnere ich mich an meinen ersten Flachbildschirm mit seinen 800 x 600 Pixeln. Heute könnte ich Pixel verschenken, so viele habe ich davon. Doch halt! Wie steht es da mit mobilen Geräten? Mit Tablets, iPhones und Android-Handys? Wer heute «nur» für eine bestimmte Bildschirmauflösung codet, verpasst möglicherweise einiges an Zielpublikum. Gerne werden heute Websites auf der Wohnzimmercouch mit dem Tablet besurft. Ist aber eine Seite nicht dafür entworfen, gelingt das nicht immer. Neue CSS3-Technologien wie Media-Queries für unterschiedliche Bildschirmgrössen und Geräte helfen da. Eine Quelle der Inspiration ist da immer wieder www.mediaqueri.es. Eine Quelle fundierten Wissens ist da ein CSS– bzw. CSS3-Kurs  oder ein Web Developer Basic-Kurs.

  • Regel Nummer 46: Ohne JavaScript geht nix

Auch wenn heute häufiger von jQuery gesprochen wird als von dessen «Vater» JavaScript, ist die Regel immer noch aktuell. Immer wieder lassen sich Web-Developer dazu verleiten, Features mit Client-Side-Scripting zu lösen, und vergessen dabei, dass weder ein Suchmaschinen-Crawler noch ein Blindenlesegerät viel mit JavaScript anfangen kann.

Wer sich also allzu oft zu einem «das löse ich mit jQuery» verleiten lässt, übersieht manchmal, dass Inhalte nicht zugänglich oder Seiten nicht navigierbar werden, sollte JavaScript oder jQuery einmal ausfallen.

Und was ist nun mit validem HTML?

In HTML-Kursen zeige ich immer wieder gerne den HTML-Validator des W3C  und frage in die Runde, was wohl die am häufigsten im WWW aufgerufene Website sei. Und die Überraschung ist teilweise gross, wenn bei der Überprüfung von http://www.google.com zig HTML-Fehler bemängelt werden – so spektakulär sieht die Page nämlich gar nicht aus.

Man lernt sehr viel über die Entwicklung des WWW, wenn man sich die HTML-Fehler eines solchen Global-Player anschaut: Beispielsweise werden ältere – um nicht zu sagen uralte – Browser unterstützt, indem willentlich veraltete («obsolete») HTML-Tags und/oder -Attribute verwendet werden. Der Validator schlägt die Verwendung von CSS vor.

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Wollte Google nicht auch auf solche Oldtimer-Browser Rücksicht nehmen, wäre «Use CSS instead» wirklich die korrekte Massnahme. Das Thema «Fallbacks» wurde ja bereits weiter oben angeschnitten.

Also, was bringt valides HTML, wenn sich nicht einmal Google daran hält?

In einem «WebDeveloper Basic»-Kurs habe ich vier Tage Zeit, den Teilnehmenden ein Gespür dafür zu vermitteln. An dieser Stelle müssen drei Sätze reichen:

  1. HTML wird vom Browser – und auch von einer Lesehilfe-Software und von Suchmaschinen – interpretiert.
  2. Wie soll nun aber etwas so interpretiert werden, wie es sich der Autor vorgestellt hat, wenn sich das zu Interpretierende nicht an die Rechtschreiberegeln bzw. an die semantischen Abmachungen und Vorgaben hält?
  3. Will man hohe Türme (= z.B. gute Suchmaschinen-Rankings) bauen, sollte man lange beim Fundament (= z.B. valides HTML) verbleiben.

Fazit

Auch wenn man heute mit diversen Tools und Hilfsmitteln Websites innerhalb von «no time» umsetzen kann, auch wenn man heute teilweise ohne jegliches Wissen zu den Grundlagen-Technologien HTML, CSS und JavaScript zu einem visuell(!) befriedigenden Ergebnis kommt, lohnt sich ein vertiefender Blick auf die Technologien, lohnt sich ein «solides Fundament». Die «Goldenen Regeln für schlechtes HTML» können dabei ein Stein des Anstosses sein, auch wenn sie auf den ersten Blick alteingesessene Veteranen zum Schmunzeln und Neueinsteiger zur Frage «Was genau ist das?» veranlasst.

Wir «kochen» auch 2014 noch mit Wasser (=HTML) und bereits 1997 wusste man zu (schlechtem) HTML einiges zu sagen. Ein gemütliches Durchlesen der Liste lohnt sich also alleweil auch heute noch.


Über den Autor

Alex Kereszturi

Alex Kereszturi ist Web Solution Developer der ersten Stunden, Trike-Fahrer und Hobby-Psychologe. Als einer der ersten «Webpulisher SIZ» und als «Adobe Certified Instructor» entwickelt er seit seinem 15. Lebensjahr Lösungen für das WWW, Mobilgeräte und andere Lebenslagen. Er ist seit über 14 Jahren Kursleiter bei Digicomp, liebt das Sein in der Natur und setzt bei seinen Schulungen auf einen guten Mix aus Information, Praxisübungen und Unterhaltung. Als Inhaber und CEO führt er die Smilecom GmbH als ein kleines aber feines Software-Entwicklungs-Unternehmen und immer wieder ein turbulentes Familienleben mit drei Töchtern.