Fünf Google-AdWords-Anfängerfehler oder das Cola-Dilemma

Unser Experte Alex Kereszturi beschreibt in seinem Beitrag anhand des Cola-Dilemmas fünf häufige Fehler, die Google-AdWords-Anfänger machen.

AutorAlex Kereszturi
Datum15.03.2018
Lesezeit8 Minuten

Kennen Sie das? Sie fahren im Auto zu einem Geschäftstermin oder zur Arbeit und überlegen tatsächlich, ob Sie trotz Verspätung noch schnell an der Tankstelle halten sollen, um dort eine Cola (oder sonst etwas) zu kaufen. Am Arbeitsplatz oder beim Kunden hätte es zwar eine Cafeteria, die auch Cola verkauft, aber für drei statt für zwei Franken. Also 50% teurer. Es würde sich also «lohnen»!

In Wirklichkeit tut es das kaum! Angenommen, Sie würden es schaffen, die Cola an der Tankstelle innert drei Minuten zu kaufen, müssten Sie einen Stundenlohn von weniger als CHF 20.– haben, damit sich die Aktion wirklich lohnt!

Zum Nachrechnen: Mit einer «Investition» von drei Minuten würden Sie CHF 1.– sparen. Mit einer «Investition» von 60 Minuten hochgerechnet also zwanzig Franken. Jede Minute also, die Sie früher im Büro oder am Kundentermin sind, bringt Ihnen «mehr». Vorausgesetzt, Sie erhalten die Zeit zu mehr als CHF 20.–/Stunde «vergütet» und dürfen während dieser Zeit in die Cafeteria.

Wenn Sie sich jetzt Fragen, was dieses Dilemma mit Google AdWords zu tun hat, sollten Sie unbedingt weiterlesen, da ich in diesem Blog-Beitrag anhand des oben beschriebenen Cola-Dilemmas gern fünf häufige Fehler erläutern möchte, die Google-AdWords-Anfänger machen.

Fehler 1: Es muss schnell gehen

Wie beim Cola-Kauf in der Einleitungsgeschichte, machen viele Google-AdWords-Anfänger den Fehler, dass sie sich von (oft an den Haaren herbei gezogenen) Terminen unter Druck setzen lassen. In solchen Fällen hört man Sätze im Hinterkopf, die mit «Wenn wir jetzt nicht, dann…» beginnen.

Statt sich in aller Ruhe einen Überblick zu verschaffen – z.B. an einem Kurs: Werbemöglichkeiten mit Google AdWords («GO2») – und sich erst einmal über sein Ziel klar zu werden (siehe nächster Fehler), vergisst man die Tatsache, dass es die letzten X Jahre auch ohne Werbung mit Google AdWords funktioniert haben, und man verhaspelt sich.


Tipp Nummer 1

Nehmen Sie sich genug Zeit für die Planung Ihrer AdWords-Werbekampagne! Beginnen Sie nicht ohne eine gute Strategie und die richtige Vorbereitung!


Fehler 2: Man setzt sich die falschen Ziele

Denken Sie an das Cola-Dilemma aus der Einleitung. Wären Sie sich im Klaren über Ihre Ziele – z.B. dass Sie in erster Linie Geld verdienen wollen, in zweiter Linie pünktlich sein wollen, in dritter …, usw. – dann würden Sie die Idee mit dem Tankstellen-Einkauf innert kürzester Zeit beiseiteschieben. Kurz: Die Cola kriegen Sie auch ohne Tankstelle – die «Kohle» nur am Arbeitsplatz!

Bei Werbekampagnen mit Google AdWords gibt es auch wunderbar «falsche? Ziele, die aber leider auf den ersten Blick sehr verlockend sind, aber zu kurz greifen. Hier meine ganz persönliches, immer wieder gehörtes Highlight aus knapp zehn Jahren SEO- und OnlineMarketing-Workshops: «Wir wollen mehr Besucher auf unserer Website!»

Senden Sie mir CHF 100.– und ich engagiere für die Hälfte davon in einem Billiglohn-Land eine Armee von Internetusern, die den ganzen Tag nichts anderes tun, als Ihre Webseite zu besuchen. Ist es wirklich das, was Sie wollen? Wahrscheinlich nicht.


Tipp Nummer 2

Definieren Sie Ihre Ziele S.M.A.R.T


Fehler 3: Keine Ahnung haben von «Conversions»

Auch wenn Sie meinen zweiten Tipp oben beherzigen und – wie wir das in Google-AdWords-Kursen bei Digicomp auch immer wieder üben – Ihre Ziele S.M.A.R.T definieren, ist das erst die halbe Miete. Wie es beim Cola-Kaufen nämlich gar nicht «nur» um die Cola als solches geht – wahrscheinlich haben Sie Durst oder Verlangen nach Koffein und die Cola ist «nur» das Mittel zum Zweck – geht es bei AdWords gar nicht «nur» um die Werbung.

Was eine «Conversion» ist und warum diese wichtig für Überlegungen rund um Suchmaschinenoptimierung ist, habe ich in meinem Blog-Artikel To-Do’s für Website-Betreiber beschrieben.

Ja! Lesen Sie den entsprechenden Abschnitt ruhig. Ich warte hier so lange auf Sie!

Wenn Sie jetzt sagen: «Aber hier geht es doch um AdWords und nicht um SEO!», dann gebe ich Ihnen nur insofern recht, als dass der Weg des Suchenden bis zum Klick auf die Werbung ein (leicht) anderer ist. Was nach dem Klick kommt, ist aber mindestens so entscheidend – wenn nicht das Entscheidendere! Egal ob SEO oder AdWords!


Tipp Nummer 3

Starten Sie mit Google AdWords erst, bevor Sie voll und ganz verstanden haben, warum eigentlich jede einzelne Werbung Ihre individuelle Landingpage verdient hat.


oder anders formuliert

Wer seine Werbeeinblendungen lediglich mit seiner Homepage (=erste Seite des Webauftritts) verlinkt, kann das Geld auch direkt zum Fenster hinauswerfen.

Fehler 4: Budget-Limiten als «Ruhekissen» verstehen

Und schon sind wir beim Thema «Geld» angelangt. Manchmal setzt unser gesunde Menschenverstand leider aus, wie wir beim Cola-Dilemma gesehen haben, wenn es ums liebe Geld geht. Passend dazu folgende Aussagen eines meiner Workshop-Teilnehmer:

«Gut haben wir eine Limite gesetzt! Seit Beginn unserer Kampagne wurde das Geld nämlich jeden Tag bereits vormittags aufgebraucht! Ohne Limite hätte uns die Kampagne sonst Unsummen gekostet! Verkauft haben wir nämlich gar nicht so viel mehr als sonst.»

Tatsächlich hatten es die Verantwortlichen geschafft, eine AdWords-Werbung zu erstellen, die täglich so häufig geklickt wurde, dass die gesetzte Budget-Limite bereits vor dem Mittagessen erreicht war. Statt aber daraus zu folgern, dass die Werbung mehr als fabelhaft wirkte und scheinbar sehr viele User dazu animierte, sie anzuklicken, hat man sich darüber gefreut, dass man nicht pro Tag Unsummen an Werbekosten hatte.

Die Budget-Limite wurde zum «Ruhekissen» statt zu einem Controlling-Instrument, das mit den Erkenntnissen aus Fehler Nummer 3 die Kampagne zu einem Riesenerfolg hätte werden lassen können.


Tipp Nummer 4

Nutzen Sie die Tatsache, ob und wann ihre Limite erreicht wurde als Indiz für die Wirksamkeit Ihrer Werbeeinblendungen, ziehen Sie die richtigen Schlüsse daraus und lassen Sie darauf sinnvolle Taten folgen!


Fehler 5: Das Gefühl haben, AdWords-Statistiken reichen aus

Noch etwas zum Thema «Controlling»: Nein, die von AdWords gelieferten Standardstatistiken reichen nicht aus!

Als Website-Betreiber interessiert mich die Anzahl der Klicks auf meine Werbung eigentlich nur in Kombination mit der Anzahl der erreichten Conversions (siehe wieder Fehler Nummer 3). Wenn ich also nicht weiss, was die Klickenden nach dem Klick auf der Zielseite überhaupt gemacht haben, kann ich auch ein Zeitungsinserat in Zentralandalusien schalten – die mögliche Auswertung ist in etwa gleich aussagekräftig.

Wie bereits erwähnt, ist der Klick auf die Werbung erst die halbe Miete. Die andere Hälfte ist die Landingpage mit dem Ziel, eine Conversion zu erzielen. Um aber analysieren zu können, wie «weit» der Besucher einer Landingpage auf dem Weg zur Conversion gekommen ist, benötige ich anständige Website-Statistiken.

Wen wundert es da, dass aus dem Hause Google solche zu haben sind.


Tipp Nummer 5

Wenn Sie Google AdWords nutzen, nutzen Sie von Anfang an auch Google Analytics!


Zum Schluss

Viel bleibt mir nicht mehr zu schreiben. Vielleicht können Sie mich mit einem Kommentar unten dazu motivieren, weiter aus dem Nähkästchen zu plaudern.

Oder zumindest könnten Sie mich danach fragen, warum ich beim Fehler Nummer 5 gar nicht mehr auf das Cola-Dilemma eingegangen bin.

Auf jeden Fall: Prost!

Weitere Infos

    Über den Autor

    Alex Kereszturi

    Alex Kereszturi ist Web Solution Developer der ersten Stunden, Trike-Fahrer und Hobby-Psychologe. Als einer der ersten «Webpulisher SIZ» und als «Adobe Certified Instructor» entwickelt er seit seinem 15. Lebensjahr Lösungen für das WWW, Mobilgeräte und andere Lebenslagen. Er ist seit über 14 Jahren Kursleiter bei Digicomp, liebt das Sein in der Natur und setzt bei seinen Schulungen auf einen guten Mix aus Information, Praxisübungen und Unterhaltung. Als Inhaber und CEO führt er die Smilecom GmbH als ein kleines aber feines Software-Entwicklungs-Unternehmen und immer wieder ein turbulentes Familienleben mit drei Töchtern.