Vom Wollen zum Tun

Vom Wollen zum Tun – Was Sie beachten sollten, wenn Sie sich Vorsätze vornehmen und auch umsetzen wollen.

AutorSuzanne Ruf
Datum18.10.2017
Lesezeit8 Minuten

Kennen Sie das? Sie lesen ein Buch, sehen ein inspirierendes Video oder sind gar an einem Seminar und haben viele Ideen, was Sie nun konkret daraus mitnehmen wollen. Sie haben sich evtl. sogar ein, zwei Dinge konkret aufgeschrieben und haben einen klaren Ansatz. Kaum hat Sie der Alltag wieder, gehen die guten Vorsätze vergessen und die neuen Gewohnheiten hatten kaum die Möglichkeit, zu solchen zu werden.

So gross die guten Vorsätze waren, so gross ist dann auch die Enttäuschung. Der Ansporn, Neues umzusetzen, nimmt ab.

Woran könnte es also liegen, dass wir trotz der anfänglichen Euphorie manchmal nicht in der Lage sind, neue Verhaltensweisen in den Alltag zu integrieren? Aus meiner Erfahrung in den Coachings gibt es zwei grosse Stolperfallen, die uns das Leben schwer machen können. Wir haben zu hohe Erwartungen an uns selbst und nehmen uns deshalb zuviel vor. Gleichzeitig sind wir sehr unklar in der Formulierung, was wir tatsächlich in den Alltag integrieren wollen.

Stolperfalle Nummer 1: die unklare Zielsetzung

Unser Hirn liebt genaue Anweisungen. Je genauer ich meinem Hirn sage, was ich suche, umso schneller liefert es mir aus all den Eindrücken um mich herum die richtigen Informationen. Sie glauben das nicht? Dann erinnern Sie sich doch mal daran, wie es war, als Sie dieses neue Auto kaufen wollten. Als Sie sich damit auseinandersetzten und sogar entschieden hatten, welche Marke, welche Farbe es denn sein soll, haben Sie auf der Strasse so viele Autos dieses Modells (Marke/Farbe) gesehen, wie nie zuvor. Das hat mit dem Wahrnehmungsfilter in unserem Hirn zu tun. Der Filter war auf das entsprechende Modell gesetzt, also hat das Hirn mehr Informationen dazu in Ihr Bewusstsein durchgelassen.

Genau diesen Wahrnehmungsfilter nutzen z.B. Sportler im Mentaltraining, um sich ein Ziel zu setzen und ihre mentale Kraft darauf zu konzentrieren. Wie genau machen die das? Sie nehmen sich viel Zeit dafür, genau zu definieren, was sie wollen. Sie setzen sich ein konkretes Ziel. Vielleicht kennen Sie aus der Arbeitswelt die SMART-Formel (SMART = spezifisch, messbar, ansprechend/ erstrebenswert, realistisch, terminiert). Diese Methode hilft sehr gut, konkrete Ziele zu setzen. Im Mentaltraining gehen die Ansätze zur Zielformulierung noch etwas weiter.


Das Ziel soll SMART sein, es soll jedoch auch aufgeladen sein mit positiven Gefühlen des Erreichens und es soll immer positiv formuliert sein.


Dieser Schritt der Zielsetzung dauert in den Coachings oft länger, als sich Klienten das dachten. Ich beobachte immer wieder, dass Menschen sich Vermeidungsziele setzen wie z.B.: «Ich will nicht mehr in Stress geraten, wenn ungeplante Aufgaben auf mich zu kommen.» Leider kann unser Hirn das nicht so gut verstehen. Aus irgendeinem Grund versteht es das Wörtchen «NICHT» nicht. Also bekäme unser Hirn mit obiger Formulierung den klaren Auftrag, in Stress zu geraten, wenn ungeplante Aufgaben auftauchen. Was ja genau das Gegenteil dessen ist, was wir erreichen wollten. Eine bessere Formulierung wäre: «Ich bleibe auch bei ungeplanten Aufgaben ruhig und gelassen.»

Stolperfalle Nummer 2: meine Erwartungen an mich selbst

Dieser Kurs, dieses Video oder dieses Buch, das Sie gelesen haben, hat nicht nur eine Verbesserungsmöglichkeit eröffnet, es ist Ihnen ganz viel in den Sinn gekommen, was Sie verändern wollen. Am liebsten sofort und alles auf einmal. Wenn wir in unserem Alltag etwas anders TUN wollen, hat das damit zu tun, dass wir unser Verhalten in einer bestimmten Situation ändern. Das lässt sich leider nicht einfach per sofort umprogrammieren, sondern braucht etwas Übung. Im Mentaltraining spricht man von 21 Wiederholungen, die unser Hirn braucht, um etwas neu einzuüben und nachhaltig zu verankern.

Jetzt stellen Sie sich vor, Sie haben sich 10 neue Dinge vorgenommen und bei allen sollen Sie 21-Mal üben und den Veränderungsprozess bei sich beobachten. Das wären 210 Übungen parallel mit Selbstmonitoring. Das schafft unser Hirn trotz aller Multitaskingfähigkeit nicht. Der Frust ist also vorprogrammiert.

Ganz heimlich erwarten wir oft, dass wir diese scheinbar kleinen Dinge, die wir vielleicht schon lange kennen und auch schon geübt hatten, sofort in den Alltag integrieren und sofort und in jedem Fall umsetzen können. Es ist ja schliesslich eine Kopfsache. Ja, das ist es. Aber vergessen Sie nicht, dass ihr Kopf das Verhalten bereits über die Jahre anders gelernt hat und das Verhalten «umlernen» muss. Stellen Sie sich vor, Sie müssten nochmals die Fahrprüfung absolvieren und bestimmte Verhaltensmuster beim Fahren umlernen.


Geben Sie sich also Zeit und nehmen Sie sich immer nur eine Veränderung aufs Mal vor.


Dann können Sie sich entspannen, denn dieses eine Ziel zu monitoren, ist einfacher und Ihr Hirn kann sich auf dieses Eine fokussieren. So erleben Sie schnell Fortschritte, was mit den positiven Gefühlen anspornt, mehr auszuprobieren und umzusetzen. Machen Sie deshalb auch hier kleine Baby-Schritte.

3 Tipps zur Umsetzung von Verhaltensänderungen

Wenn Sie nun das klare Ziel gesetzt haben und Ihre Erwartungen mit sich geklärt haben, können Sie mit der Umsetzung loslegen. Dabei hilft Ihnen Folgendes bei der Umsetzung:

Belohnen Sie sich

Legen Sie fest, wie Sie sich belohnen, wenn Sie Ihr Ziel erreicht haben. Was gönnen Sie sich, wenn Sie das Verhalten erfolgreich implementiert haben? Denn es ist doch eine Feier wert, wenn Sie was geschafft und integriert haben. Monitoren Sie ihre Zielerreichung und wertschätzen Sie auch Zwischenschritte.

Machen Sie einen Vertrag

Seien Sie verbindlich mit sich selbst. Legen Sie fest, bis wann Sie sich Zeit für die Umsetzung geben und wie das Ergebnis aussehen soll. Am besten halten Sie das schriftlich fest und prüfen regelmässig, ob Sie noch gut unterwegs sind. Manchmal hilft es auch, ein öffentliches Committment zu machen, um der Kraft des Entschlusses auch nach aussen hin Nachdruck zu verleihen und somit Verbindlichkeit zu demonstrieren.

Lassen Sie sich unterstützen

Suchen Sie sich jemanden, der Sie darin unterstützt, das neue Verhalten umzusetzen. Das kann jemand sein, der ebenfalls grade am gleichen Thema ist. Tauschen Sie die Erfahrungen aus und spornen Sie sich gegenseitig an. Etwas in einer Gruppe zu verändern oder in einem sozialen Feld aufgehoben zu sein, hilft uns sehr, da wir mit unserem Vorhaben nicht allein sind. Das teilen von Erfolgserlebnissen ist Ansporn für weitere Erfolge. Es tut uns aber auch gut, wenn uns bei zwischenzeitlichen Misserfolgen jemand Mut zuspricht und an uns glaubt.

Führungsseminare bei Digicomp

In unseren Kursen werden Sie fit für die vielfältigen Führungsaufgaben in der Digitalisierung. Sie finden bei Digicomp Seminare für Einsteiger, in denen Sie die Grundlagen der Mitarbeiterführung erlernen und auch Seminare für spezielle Situationen – wie z.B. zum Thema Change Management oder Führung im agilen Projektumfeld.

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Über den Autor

Suzanne Ruf

Suzanne Ruf begleitet seit vielen Jahren und mit grossem Erfolg Menschen und Organisationen in Veränderungen. Sie ist Motivationscoach, Organisationsentwicklerin und erfahrene Trainerin. Mit ihrer breaksru gmbh unterstützt sie KMU in deren kontinuierlicher und nachhaltiger Weiterentwicklung. Dabei verliert sie nie aus den Augen, welche Auswirkungen die geplanten Veränderungen für die betroffenen Menschen haben. Die Verknüpfung der menschlichen Ebene mit den organisatorischen Fakten sind ihr Erfolgsrezept.