"Open Data – alles offen oder was?" – der Bericht

AutorSheila Karvounaki Marti
Datum15.03.2016
Lesezeit7 Minuten

Open Data, ein gesellschaftlich relevantes, aber noch unterschätztes Thema. Am #SOMEXcircle vom 23. Februar 2016 hat André Golliez, Präsident des Vereins OpenData.ch, einen Ein- und Ausblick gewährt, zu einem Thema, das uns alle betrifft.

Open Data

Die Menschheit sammelt und produziert Daten seit jeher. in den letzten Jahren jedoch explodiert die Datenmenge. Wir leben in einer Datengesellschaft. Ereignisse werden in Daten abgebildet, wodurch Wissen generiert und auf dessen Basis Entscheidungen getroffen werden. Daten bilden heutzutage sowohl den Ausgangspunk als auch das Resultat menschlichen Handelns.

Wie Daten generiert, verwaltet und verwendet werden, illustriert der Datenkreislauf:

Einsatzgebiete von Open Data

Die Anwendungsmöglichkeiten von Daten sind vielfältig, doch vorallem in den folgenden Gebieten läge die Zuhilfenahme von Open Data auf der Hand und birgt viele Vorteile:

  • Fahrplanangaben

    Die öffentlichen Verkehrsbetriebe könnten (und sollten) aktuelle Fahrplanangaben sowie Live-Daten über offene Schnittstelle der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Im Endeffekt sollen die Fahrgäste via Mobile oder Web Apps diese Daten nutzen können. Wobei die Verkehrsbetriebe nur die reinen Daten zur Verfügung stellen, die Applikationen jedoch von dritten entwickelt werden. Prominentestes Beispiel dazu ist Transport for London, wo dieses Modell bereits erfolgreich im Einsatz ist.

  • Vermessungsdaten und Kartografie

    Die öffentliche Verwaltung könnten (und sollten – die Datenerhebung wurde von uns allen bereits bezahlt…) Vermessungsdaten und Kartografie-Daten öffentlich zugänglich machen und somit neue Anwendungsmöglichkeiten in diesem Bereich ermöglichen.

  • Statistische Daten

    Offene statistische Daten, wie Angaben zur Zusammensetzung der Bevölkerung, könnten für viele neues Wissen generieren.

  • Energie-Daten

    Daten lokaler Energieproduzenten könnten von den Konsumentinnen und Konsumenten dazu genutzt werden, den jeweils eigenen Energiebedarf zu optimieren.

My Data

Neben Open Data ist zurzeit vorallem Big Data in aller Munde. Eine damit verknüpfte und heiss diskutierte Frage ist, wem die Daten, die durch Big Data über jede und jeden Einzelnen generiert und gesammelt werden, gehören.

Diese Fragenstellungen werden unter dem Begriff “My Data” zusammengefasst. My Data verfolgt das Ziel, die Kontrolle personenbezogener Daten sowie von Daten, die Rückschlüsse auf eine einzelne Person zulassen, der jeweils betroffenen Person gehört.

Die Aussage, dass Daten „Rohstoffe“ sind, stimmt für André Golliez nicht: Daten stellten keine begrenzte Ressource dar, da sie laufend und über eine längere Zeitspanne generiert werden – und v.a. durch die Nutzung nicht aufgebraucht werden, sondern vielmehr beliebig oft genutzt werden können. Für ihn und den von ihm präsentiere Verein “opendata.ch” (vgl. unten) gehören Daten eher in den Bereich der „Infrastruktur“, zumindest offene Daten, wie sie von Verwaltungen und Regierungen erzeugt werden.

Mögliche Einsatzgebiete von My Data

Mögliche Einsatzgebeite von My Data sind dann auch das Gesundheits- und das Finanzwesen:

  • Gesundheitsdaten

    Schon in naher Zukunft, werden Patientendaten komplett elektronisch erfasst und alle Informationen betreffend Behandlungen mit verschiedenen Ärzten und Behörden auf digitalem Wege ausgetauscht. Dabei ist es wichtig sicherzustellen, dass die Patientin oder der Patient, jederzeit die Kontrolle über seine Daten und Patientendossier behält.

  • Finanzdaten

    Finanz- und Bankdaten könnten z.B. dazu benutzt werden, die Kreditwürdigkeit von Kreditstellern und Kreditstellerinnen zu prüfen.

My Data-Modell

Das Modell von My Data beinhaltet ein Data Subject, einen Data Provider sowie ein Data Reuser, wobei alle Teil der Verarbeitungskette sind und mit entsprechenden Rechten aber Regeln zu bestimmen sind.

Open Data & My Data in der Schweiz

Der Verein opendata.ch beschäftigt sich mit den Themen Open Data und My Data in der Schweiz und hat sich zur Aufgabe gestellt, die Bevölkerung, öffentliche Verwaltungen als auch die Privatwirtschaft für dieses Thema zu begeistern und die vorhandenen Daten für alle sinnvoll nutzbar zu machen. Die entsprechende Vision lautet: Data Commons! Unter diesem Begriff werden Ideen entwickelt, wie öffentliche Daten von verschiedenen Akteuerinnen und Akteuren der Gesellschaft genutzt und geteilt werden könnten.

Nach Einschätzung von André Golliez ist die Schweiz gegenüber dem Ausland mindestens 4 Jahre im Rückstand, wenn es um Open oder My Data geht. Er ordnet die Ursache hierfür in der unterschiedlichen Kultur und dem derzeitigen Datenschutz ein. Die Aufgabe seines Vereins bestehe zu einem grossen Teil darin, dem Nachvollzug von im Ausland bereits umgesetzten Ideen und Konzepten.

Ein interessantes Open Data-Projekt in der Schweiz wärezum Beispiel das Public Transport API. Es würde, wie es das Londoner Pendant tut, interessierten Entwicklern die Möglichkeit bieten, Daten über den öffentlichen Verkehr in eigene entwickelte Applikation einzubinden. Dadurch liese sich beispielsweise eine alternative Fahrplan-App entwickeln. Umgesetzt wird dies bereits von der RhB.

Ein interessantes Startup und Showcase aus Zürich ist zoa.me. Dieses Startup sammelt das Surfverhalten sowie die persönlichen Daten der User und generiert auf deren Basis, ein persönliches User-Profil, welches wiederum mit verschiedenen Unternehmen geteilt werden kann.

Spannende Diskussionen und gemütliches Beisammensein – bis zum nächsten Mal

Die Ausführungen und dargelegten Gedankengänge von André Golliez haben bei allen Teilnehmenden das Denken angeregt und Fragen aufgeworfen. Einig, wie mit Daten umzugehen ist, war man sich auch in dieser Gruppe nicht. Doch die Diskussion hat gezeigt: Eine breitere und auch öffentliche Diskussion ist notwendig. Auf dem Weg zu einer gangbaren Handhabung ist hier nicht einzig die Meinung von Daten-Spezialisten gefragt, sondern die Einbindung aller Akteure von hoher Relevanz. Dafür setzt sich auch der Verein opendata.ch ein. Wir wünschen dem Verein dabei viel Erfolg und sind gespannt, was die Zukunft bringen wird!

Wer nicht vor Ort sein konnte kann in der Präsentation von André Golliez noch einen vertiefteren Einblick ins Thema gewinnen und den Ausführungen auch mittels Life-Aufnahme auf unseren YouTube-Kanal folgen.

Der nächste #SOMEXcircle findet am 29. März statt und widmet sich dem Thema Crowdfunding. Jonas Wechsler von donxt.com wird uns dabei einen Einblick in die Möglichkeiten von Crowdfunding-Plattformen gewähren und uns die Mikromäzenentum-Plattform donxt.com vorstellen.  Weitere Infos und Anmeldung.


Über den Verein OpenData.ch

OpenData.ch ist ein gemeinnütziger Verein und wurde 2010 von André Golliez, und seinen Mitstreitern gegründet. Seine Aufgabe ist die Verbreitung und Förderung von Open Data in der Schweiz. OpenData.ch stellt ausserdem den schweizerischen Ableger der Open Knowledge Foundation dar.

Über den Autor

Sheila Karvounaki Marti