Facebook ist mehr Mond als Planet!

Facebook ist wichtig. Schlichtweg, weil dort die Menschen sind. Facebook ist aber keineswegs der Planet, eher einer von mehreren Monden. Im Zentrum stehen multimedial aufbereitete Inhalte, die bewegen. Unser Kursleiter Sam Steiner macht sich in seinem Beitrag Gedanken darüber.

AutorSam Steiner
Datum05.12.2013
Lesezeit4 Minuten

Facebook ist wichtig. Schlichtweg, weil dort die Menschen sind. Facebook ist aber keineswegs der Planet, eher einer von mehreren Monden. Obwohl immer mehr Menschen ihre Sicht des Webs auf E-Mail, Facebook und den SBB-Fahrplan einschränken.

Ein paar Überlegungen und Ideen zum Nutzen von Facebook für Unternehmen.

Zahlen: Facebook in der Schweiz?

Laut den Zahlen von Facebook nutzen derzeit rund 3.4 Millionen Menschen in der Schweiz Facebook regelmässig. Von 5 Millionen Web-Benutzern. Facebook ist erst ab 13 zugänglich.

  • 560’000 Menschen über 48 nutzen Facebook in der Schweiz
  • 48% der Benutzer sind weiblich
  • 959’999 neben mir verwenden Android-Geräte
  • 1’680’000 verwenden Apple-iOS-Geräte (z.B. iPhone oder iPad)
  • 110’000 sind laut Facebook «Small Business Owners» (Inhaber von KMU)

(Ja! Es lassen sich mit Facebook-Anzeigen zum Beispiel spezifisch die Inhaber von KMU ansprechen – mehr dazu bei genügend Nachfrage in einem späteren Artikel.)
KMU-Inhaber der Schweiz auf Facebook

Nutzungsarten für KMU

Man verkauft keine Zeitungsdruckmaschine über Facebook. Noch schwerer verkaufen sich langweilige Consumer-Produkte. Man muss geschickter sein.

Interessanterweise erzielen kleine Firmen mit unterhaltsamen Produkten vergleichsweise hohe Conversion Rates. Auf der Website von mySwissChocolate kann man seine eigene Tafel Schokolade aus verschiedenen Zutaten entwickeln – danach ist der Klick zum Kauf nicht mehr weit. Ein unterhaltsames Produkt mit Conversion Rate ab Facebook-Seite von 5 bis 9%!

Das ist nicht die Regel. Wie auch das Verkaufen nicht.

Strategisches Vorgehen mit Blick auf Unternehmensziele ist gefordert – kein wildes: «Wir machen neu auch in Facebook mit.» Ziele können vielfältig sein und unterscheiden sich von KMU zu KMU. Ein paar Möglichkeiten (nicht abschliessend):

  • Unterstützung von Marketingaktivitäten
  • Umsatz generieren (verkaufen)
  • Kosten reduzieren
  • Mitarbeitererlebnis-Optimierung
  • Kundenerlebnis-Optimierung
  • Innovation + Marktforschung
  • Puls fühlen (Brand Image)

Beispielsweise kann eine Erhöhung der Kundentreue ein grosser Gewinn sein. Es kostet 5- bis 10-mal mehr, einen neuen Kunden zu gewinnen als einen Bestehenden zu behalten. Wiederkehrende Kunden bestellen tendenziell auch mehr als Neukunden.

Wie macht ein KMU Facebook richtig?

Es gibt natürlich nicht den einen Weg. Allerdings gibt es schon sehr viele Tricks und Kniffe, um die Funktionen von Facebook auf optimale Weise zu nutzen. Man muss ein Gespür für die Plattform entwickeln. Wie unterscheidet sich Facebook von Twitter, Google+, YouTube oder Pinterest?

Falsch wäre sicherlich, Facebook als «Newsticker»  für Angebote und Pressemitteilungen zu verwenden. Facebook ist eine visuelle Plattform. Im Gegensatz zu anderen Plattformen ist Facebook eine Unterhaltungsplattform. Für die Pause. Für tiefe Blutzuckerwerte. Lange Texte haben keinen Platz. Facebook bremst solche Inhalte freundlicherweise aus.

Glücklicherweise passieren die spannenden Geschichten im Geschäftsalltag von KMU zu praktisch 100% nicht in Textform. Firmen müssen lernen, sie auch so zu vermitteln.

Ein konkreter Ansatzpunkt wäre, sich Gedanken zu den eigenen Zielen zu machen und danach zu überlegen: Welche Inhalte interessieren die betreffenden Personen auf unterhaltsame Weise? Das ist schon Arbeit. Dann geht es unter anderem darum – nicht nur bei Facebook – die Multimedia-Fähigkeiten innerhalb der Firma zu finden bzw. aufzubauen. Wer macht überdurchschnittlich gute Fotos? Wer geht in einen Videokurs? Wer kann Informationen grafisch ansprechend aufbereiten?

Nicht das Zentrum!

Um den Kreis zum Titel zu schliessen: Facebook ist – wie Twitter, Xing, YouTube, Pinterest oder wie sie alle heissen – mehr Mond als Planet. Nicht das Zentrum einer Onlinestrategie.

Zurzeit ist – neben anderen – Facebook da und wichtig.

Wir müssen aber flexibel genug aufgestellt zu sein, um reagieren zu können, wenn Facebook des Weges geht. Wie vorher Friendster, MySpace oder Orkut. Der zentrale Planet in unserer Onlinestrategie ist die Website. Nicht die klassische Broschüren-Website mit «Über uns», «Produkte», «Kontakt». Sondern eine durch hilfreiche und unterhaltsame Inhalte getriebene Website.


Über den Autor

Sam Steiner

Sam Steiner unterrichtet den Kurs Facebook für Unternehmen bei Digicomp. Beruflich zeigt er KMUs, wie sie das Web und Social Media wirksam einsetzen (alike.ch). Seit 1999 war er in Web-Agenturen unterwegs und ist nun selbständig. Er betreibt Facebook-Fanseiten mit bis zu 500’000 Fans und ist Gründer der grössten deutschsprachigen Bassisten-Plattform Bassic.ch (verkauft 2013).